The Boring Company: Die aufgegebenen Projekte von Elon Musks Tunnelfirma

Mit günstigen Tunneln will Elon Musk das Verkehrsproblem in US-Großstädten lösen. Sobald es aber konkret wird, hören die Interessenten nichts mehr.

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(Bild: The Boring Company)

Elon Musks Tunnelbohrfirma The Boring Company (TBC) hat nach mehreren Ankündigungen zu ambitionierten Projekten jegliche Kommunikation mit den Behörden eingestellt. Das berichtet das Wall Street Journal und führt ein Projekt in Kalifornien an.

Nachdem die Behörden im San Bernardino County mit Planungen für eine etwa sechs Kilometer lange und über einer Milliarde US-Dollar teure Zugstrecke zum Ontario International Airport begonnen hatten, habe Musks Firma einen Tunnel für autonom fahrende Teslas für 45 Millionen US-Dollar versprochen. Die Behörde habe ihre Pläne aufgegeben und Gespräche mit der Boring Company begonnen. Die habe sich dann genauso nicht mehr gemeldet wie bei Projekten in Maryland, Chicago und Los Angeles. Ein offizielles Angebot sei nie eingereicht worden.

Immer wieder habe die Firma des US-Milliardärs Städte mit dem Versprechen "geködert", das Problem des "die Seele zermürbenden Verkehrs" zu lösen. Nur um einen Rückzieher zu machen, wenn es mit der Realität von Infrastrukturprojekten konfrontiert worden sei, schreibt die Zeitung. So sei es in Chicago gewesen, wo Musk eine Hochgeschwindigkeitsanbindung zum Flughafen versprochen hat. Die veranschlagten Kosten von etwa einer Milliarde US-Dollar nennt Stadtrat Scott Waguespack "absurd niedrig".

Das Projekt wird genauso wenig weiterverfolgt, wie ein gigantischer Tunnel an der US-Ostküste, für den Musk angeblich schon 2017 eine "verbale Zustimmung der Behörden" hatte. Dabei hätte die Boring Company in Maryland einfach mit dem Graben beginnen können, haben Beamte der Zeitung jetzt versichert. Die Tunnelbohrmaschine mit dem Namen "Godot" sei aber nie aufgetaucht. Auch Pläne für ein in Los Angeles angekündigten Tunnel zur Anbindung des Dodger Stadiums seien nie realisiert worden. Gegraben wurde bislang nur der Tunnel in Las Vegas, aber einfacher als in dem Wüstenboden ginge es auch nicht, zitiert das Wall Street Journal den Chef einer Tunnelbohrmaschinenfirma.

Gegründet hat Elon Musk die Boring Company 2016, angeblich aus einer Laune heraus. Der Milliardär hat sich damals über den notorisch stockenden Verkehr in Los Angeles geärgert. Daraufhin ließ er eine alte Tunnelbohrmaschine kaufen, der erste Tunnel wurde unter eine Straße an der Konzernzentrale von Musks Weltraumunternehmen SpaceX gegraben. Ein weiterer geplanter Tunnel in der Nähe war nicht mehr gegraben worden. Danach hat sich The Boring Company den Tunneln in Las Vegas gewidmet, wo Fahrgäste in Tesla-Fahrzeugen unter der Stadt transportiert werden. Die jüngste eigene Maschine ist laut The Boring Company "darauf ausgelegt", 220 Meter Tunnelstrecke pro Tag zu bohren, mittelfristiges Ziel sind sogar über 11 Kilometer pro Tag. Aktuell kommen vergleichbare Maschinen der Konkurrenz auf etwa 15 Meter.

Update

Zahlen zur jüngsten Maschine der Boring Company ergänzt.

(mho)