"The Citizen Project" will den Algorithmus von Facebook und YouTube untersuchen

1200 Menschen sollen einen extra entwickelten Browser nutzen, der Daten zur Facebook- und YouTube-Nutzung an die Organisation "The Markup" sendet.

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Für die Teilnahme müssen Anwender ganz simpel ihre Daten freigeben.

(Bild: Pheelings media / Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

"The Citizen Project" heißt ein neues Projekt, mit dem die Organisation The Markup den Algorithmen von Facebook und YouTube auf die Spur kommen will. Dazu sollen 1200 Personen einen Browser nutzen, der in Echtzeit die Daten von den Social-Media-Konten weiterleitet. Es ist nicht das erste Projekt, das durch Rückschlüsse versucht, Funktionsweisen abzuleiten.

Die Probanden sollen zufällig ausgewählt werden und bekommen die Teilnahme bezahlt. Sie sollen die amerikanische Bevölkerung repräsentieren, die Untersuchung also repräsentativ machen. Alle personalisierten Daten fliegen aus der Erhebung raus und werden nicht gespeichert. Soziale Medien seien zentral bei der Verbreitung von Nachrichten. Julia Angwin, verantwortliche Redakteurin bei The Markup sagt: "Sie diktieren mit Black-Box-Algorithmen, die geschaffen sind, um Profite zu maximieren, welche Nachrichten die Öffentlichkeit sieht." Das Projekt soll Filterblasen erkennen lassen und die Gesellschaft in Richtung eines freieren und demokratischeren Diskurses bringen.

The Markup ist eine Non-Profit-Organisation, die sich mit datengetriebenem Journalismus und journalistischer Ethik befasst. Für das "Citizen Project" haben sie sich mit der New York Times zusammengeschlossen. Die Daten wollen sie auch anderen Journalisten, Wissenschaftlern und Organisationen zur Verfügung stellen.

Dem Versuch, Algorithmen rückwärts zu entschlüsseln, haben sich auch schon andere Aktivisten und Unternehmen angenommen. Claudio Agosti etwa listet unter seinem Projekt "tracking.exposed" bereits seit einigen Jahren ähnliche Versuche auf. "facebook.tracking.exposed", kurz "fbTrex" ist ein Browser-Plugin für Chrome und Firefox, das ebenfalls die öffentlichen Beiträge aus den Newsfeeds der Anwender zur Analyse weiterleitet. Damit kann zwar nicht der komplette Algorithmus offengelegt werden, aber man kann Effekte erkennen und aufzeigen.

Mozilla hat eine Erweiterung für Firefox entwickelt, die Daten von YouTube weiterleitet, um das Vorschlagssystem zu untersuchen, sie nennt sich RegretsReporter. Rund um die Bundestagswahl 2017 hat es ein Datenspende-Projekt gegeben, mit dem die Rolle von sozialen Medien erfasst werden sollte, es kamen aber noch weitere Methoden für Wahlforscher und Wahlkämpfer zum Einsatz.

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(emw)