ThoughtWorks Techonology Radar: Homeoffice, Datenanalyse und Kubernetes im Fokus

Der halbjährlich veröffentlichte Report sieht wachsende Reife bei Machine Learning und ein geradezu explosiv wachsendes Kubernetes-Ökosystem.

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(Bild: 38672763)

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ThoughtWorks hat die 22. Ausgabe des im Sechsmonatstakt veröffentlichten Technology Radar herausgegeben. Das IT-Beratungsunternehmen sammelt eigene Projekterfahrung und erstellt daraus einen Bericht, in dem es Trends der Softwareentwicklung und weiteren IT-Techniken bewertet und Empfehlungen ausspricht. Neben Kubernetes, Datenanalyse und Infrastructure as Code steht aus gegebenem Anlass das Thema Zusammenarbeit aus dem Homeoffice im Fokus.

Der aktuelle Technology Radar ist im Zeichen der Corona-Pandemie erstmals ohne persönliche Treffen ausschließlich mit virtuellen Meetings entstanden. Dem Umstand hat ThoughtWorks die Überschrift mit dem nicht zu übersetzenden Wortspiel "The Elephant in the Zoom" gewidmet – als Anspielung auf den "Elephant in the Room" für ein Thema, das offensichtlich ist, das aber keiner ansprechen möchte.

Das offensichtliche Thema ist in dem Fall die Heimarbeit, die aufgrund der Pandemie unvermeidbar ist. Dabei habe sich schnell gezeigt, dass ein gewaltiger Unterschied zwischen "von daheim arbeiten" und "gezwungenermaßen während einer Pandemie daheim arbeiten müssen" existiert. Die Erkenntnisse hat das Unternehmen weitgehend aus dem Report in einen Podcast ausgelagert und die Ratschläge in ein Webinar überführt. Außerdem hat ThoughtWorks sein Remote Working Playbook veröffentlicht.

Der Report sieht einen ausreifenden Prozess im Bereich "Data Perspectives", insbesondere für Techniken und Werkzeuge rund um Machine Learning (ML). Als Teilbereich hebt ThoughtWorks die Textanalyse über Natural Language Processing (NLP) hervor, also die Verarbeitung natürlicher Sprache. Außerdem seien die ML-Tools zunehmend ausgereift. Bei den Frameworks ist ausgerechnet TensorFlow nicht im aktuellen Report enthalten, das im November 2019 nach der Veröffentlichung des 2.0-Release von Googles ML-Framework aufgeführt war. Facebooks PyTorch findet sich dagegen weiter im Trial-Sektor auf dem Radar.

Bei den Techniken hebt der aktuelle Bericht Data Mesh als Paradigma hervor als Alternative zur zentralen Datenhaltung. Statt der Sammlung von Daten in einem Data Lake oder Data Warehouse setzt ein Data Mesh auf eine verteilte Architektur, um Daten effizient und skalierbar zu analysieren.

ThoughtWorks betrachtet zudem den Bereich jenseits des eigentlichen Sourcecodes beim Umsetzen agiler Techniken und Pipelines für Continuous Delivery (CD). Der Bericht macht sich für den Einsatz von Infrastructure as Code und Pipelines as Code stark. Ersteres war 2011 bereits in einem der ersten Reports Thema und gewinne vor allem im Cloud-Zeitalter zunehmend an Bedeutung.

Dabei reiche die Aussage "behandelt die Infrastruktur wie Code" nicht aus, sondern Entwickler sollten ihre Erfahrungen aus der Welt der Software auf den Bereich der Infrastruktur übertragen. Teams sollten laut ThoughtWorks Pipelines für den CD-Prozess ebenfalls als Code umsetzen und entsprechend versionieren, in Module aufteilen und wiederverwenden.

Der ungebremste Siegeszug von Kubernetes dürfte außer Frage stehen, und der Report widmet sich den zahlreichen Werkzeugen, die in letzter Zeit im Ökosystem der Container-Plattform entstanden sind. ThoughtWorks spricht in dem Zusammenhang von einer "kambrischen Explosion" als Anspielung auf die weltweite Ausbreitung der Tierstämme im Kambrium.

Daher führt der Report zahlreiche Tools, Plattformen und Techniken rund um Kubernetes auf, darunter das API-Gateway Gloo, den OAuth-Server Hydra, Lens, k9s, kind und die CD-Engine Argo CD. Unter dem Strich fülle sich langsam die "Complexity Void", also die Leere zum Umgang mit der Komplexität von Kubernetes, durch zahlreiche Werkzeuge. ThoughtWorks erwartet mittelfristig eine höhere Abstraktionsebene, mit der ITler die Vorteile von Kubernetes nutzen können, ohne sich mit den Details der zahlreichen Einstellungen herumschlagen zu müssen.

Insgesamt beleuchtet der Radar 98 Projekte aus den vier Themengebieten Techniken, Werkzeuge, Plattformen sowie Sprachen und Frameworks. Ein Kreis mit vier Ringen gibt als Analogie des Radars die jeweilige Art der Empfehlung an: Je weiter innen ein Thema angesiedelt ist, desto aufgeschlossener sollten Unternehmen ihm gegenüber nach ThoughtWorks' Meinung sein.

Der 22. Technology Radar gibt Empfehlungen zu insgesamt 98 Projekten.

(Bild: ThoughtWorks)

Dabei bedeutet "Adopt" die Empfehlung zur Anwendung. Themen im Bereich "Trial" verdienen zwar ernsthafte Tests, ihnen fehlt aber noch die nötige Reife. Was im "Assess"-Bereich liegt, ist der näheren Betrachtung würdig, sollte aber nur dann ausprobiert werden, wenn es perfekt zu passen scheint. "Hold" bezeichnet die Themen, über die zwar geredet wird, von deren Einsatz ThoughtWorks aber abrät – sei es wegen fehlender Reife oder sogar aufgrund fehlerhaften Eigenschaften.

Auf der ThoughtWorks-Site findet sich neben dem Report ein Rückblick auf die 22 Ausgaben des Berichts im Lauf der letzten zehn Jahre, deren Highlights sowohl inzwischen etablierte als auch bereits vergessene Projekte auflisten:

2010

  • Adopt: Cloud, Firefox
  • Trial: Non-relational databases, Android, EC2 & S3, MongoDB
  • Assess: HTML 5, Chrome, Google App Engine, GPGPU, OAuth
  • Hold: IE8

2011

  • Adopt: AWS
  • Trial: Heroku
  • Assess: Node.js, OpenStack, Cloud Foundry

2012

  • Adopt: Neo4J
  • Trial: Linux containers, Private clouds, EC2 & S3
  • Assess: Hybrid clouds

2013

  • Adopt: Elastic Search, Redis
  • Trial: Hadoop 2.0
  • Assess: PostgreSQL for NoSQL

2014

  • Trial: iBeacon
  • Assess: Backend as a service, Akka, Arm Server SoC, TOTP Two-Factor Authentication, Apache Spark, Docker
  • Hold: CMS as a platform

2015

  • Trial: Cloudera Impala, AWS Lambda
  • Assess: Apache Mesos, Linux security modules, H2O, Time series database, .NET Core, AWS ECS, Kubernetes, Mesosphere DCOS
  • Hold: Overambitious API gateways

2016

  • Trial: Auth0
  • Assess: TensorFlow, Nomad, Apache Flink, Ethereum, HoloLens

2017

  • Trial: OpenTracing, Google Cloud Platform, WeChat
  • Assess: Kafka Streams, Voice platforms, LoRaWAN, Windows Containers

2018

  • Trial: Contentful
  • Assess: Istio, Quorum
  • Hold: Low-code platforms

2019

  • Trial: InfluxDB, ROS
  • Assess: Oculus Quest

Der vollständige 22. Technologoy Radar steht auf der ThoughtWorks-Site zum Herunterladen als PDF bereit. (rme)