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Togo beschränkt Ausgabe von SIM-Karten

Daniel AJ Sokolov
2 schwarze Arbeiter in der Spitze eines neuen Antennenturms

Zwei Arbeiter bereiten die Installation von Mobilfunk-Antennen auf einem neuen Turm vor.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Einwohner Togos dürfen nur noch drei SIM-Karten von jedem der beiden Mobilfunk-Netzbetreiber besitzen. Das erleichtert die Überwachung.

Togos Telecom-Regulierungsbehörde verbietet Einwohnern, mehr als drei SIM-Karten je Netzbetreiber zu besitzen. Da es in dem westafrikanischen Land nur zwei Mobilfunk-Netzbetreiber gibt, bedeutet dies, dass jeder Einwohner maximal sechs SIM-Karten haben darf. Bereits jetzt müssen alle SIM-Karten namentlich registriert werden. Bald möchte der Staat alle Bürger sogar biometrisch erfassen.

Die Regulierungsbehörde ARCEP stellt die SIM-Karten-Einschränkung als "Sicherheitsmaßnahme" dar, mit der "gegen jene Übel gekämpft wird, die mit der Nutzung von Mobiltelefonen verbunden sind". Sie nennt [1] "Diebstahl, Betrug, Identitätsanmaßung und Belästigung" als Beispiele.

Wer in Togo bereits mehr als drei SIM-Karten [2] eines Netzbetreibers hat, muss die Zahl binnen sechs Monaten auf drei senken. Die Behörde ersucht die Netzbetreiber dafür um Hilfe. Für Unternehmen gilt die Beschränkung nicht.

Das ebenfalls westafrikanische Land Nigeria hat im Dezember sogar die Ausgabe neuer SIM-Karten komplett verboten. Zur Begründung verwies die Regierung auf Entführer, die über anonyme SIM-Karten mit Angehörigen der Opfer Kontakt aufgenommen hätten, um Lösegeld zu erpressen. Zwar müssen SIM-Karten namentlich registriert und der Nationalen Identitätsnummer eines Nigerianers zugeordnet sein, doch gibt es offenbar blühenden Schwarzhandel mit bereits registrierten SIM-Karten.

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Das radikale Verbot der Ausgabe neuer SIM-Karten erwies sich als besondere Bürde für Opfer von Straftaten wie Taschendiebstahl und Raub, weil Ersatz-SIM-Karten nur mehr auf dem Schwarzmarkt erhältlich waren. Plötzlich nicht mehr erreichbare Unternehmer beklagten erhebliche Umsatzverluste. Erst im März erlaubte Nigeria wieder den Ersatz verlorener, gestohlener, oder kaputtgegangener SIM-Karten in lizenzierten Tauschzentren; im April wurde das SIM-Ausgabeverbot komplett aufgehoben.

In Afrika ist die parallele Nutzung mehrerer SIM-Karten weitverbreitet, weil das Sparen hilft und bessere Netzabdeckung bedeutet. Mobiltelefone haben in aller Regel mindestens zwei SIM-Karten-Slots. "Jeder Erwachsene Nigerianer hat mindestens zwei Mobiltelefone mit vier SIM-Karten", schrieb die nigerianische Tageszeitung This Daily im April. Laut dem Bericht [4] ist es in dem Land üblich, bei Verlust einer SIM-Karte einfach eine neue Telefonnummer zu lösen und Kontaktpersonen darüber zu informieren. Das ist wesentlich einfacher und flotter, als den legitimen Besitz der bisherigen Rufnummer nachzuweisen.

(ds [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6045646

Links in diesem Artikel:
[1] https://arcep.tg/le-nombre-de-cartes-sim-par-personne-limite/
[2] https://www.heise.de/thema/SIM_Karte
[3] https://www.heise.de/news/Wunsch-nach-Internet-soll-Oelkatastrophe-in-Mauritius-ausgeloest-haben-5061327.html
[4] https://www.thisdaylive.com/index.php/2021/04/22/lifting-ban-on-new-sim-card-sales/
[5] mailto:ds@heise.de