Tracking-Warnung in iOS 14: Europäische Werbeverbände pochen auf Änderungen

Apples Tracking-Einwilligungsdialog sei nicht DSGVO-konform, schrecke Nutzer ab und sorge für wettbewerbsrechtliche Bedenken, so die Werber.

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(Bild: TATSIANAMA/Shutterstock.com)

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Eine Gruppe europäischer Werbeverbände hat eine zentrale Datenschutzneuerung in iOS 14 kritisiert und Apple zu Änderungen aufgefordert. Man habe "erhebliche Vorbehalte und Bedenken" hinsichtlich eines von Apple gezeigten Einwilligungsdialoges, heißt es in dem von 16 Branchenverbänden unterzeichneten Schreiben, das an den iPhone-Konzern geschickt wurde. Der Dialog soll künftig in allen Apps zwangsläufig erscheinen, sobald diese auf den sogenannten Advertising Identifier (IDFA) von iOS zugreifen wollen,

Apples Dialog, der Nutzer über mögliches Tracking informiert und dafür um Erlaubnis bittet, erfülle nicht die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zur Einholung einer Einwilligung für personalisierte Werbung, schreiben die Werber. Eine entsprechende Einwilligung werde von vielen Apps in Europa zudem bereits durch Consent-Managament-Plattformen (CMPs) eingeholt und sei damit nicht doppelt erforderlich.

Auch sei der vom Betriebssystem angezeigte Dialog nur geringfügig durch den App-Anbieter anpassbar und berge so ein "hohes Risiko" für eine Verweigerung der Tracking-Zustimmung. Das könne letztlich Werbeumsätze mindern.

Die Verbände bringen auch wettbewerbsrechtliche Bedenken vor: Apple stärke damit sein eigenes Werbegeschäft für Banner-Werbung in der App-Store-Suche. Seit längerem wird vermutet, dass der Konzern die Banner auch in andere Apps bringen will. Apple stellt eine eigene Schnittstelle (SKAdNetwork) bereit, die es Werbetreibenden ermöglichen soll, den Erfolg einer Kampagne für App-Installationen in datenschutzfreundlicher Form zu messen – wird diese genutzt, muss auch keine Einwilligung für Tracking eingeholt werden.

Apple müsse mit der Branche gemeinsam an der Umsetzung einer solchen Tracking-Einwilligung arbeiten und eine Folgeabschätzung vornehmen, wie sich die Datenschutzänderung auf Umsätze und Arbeitsplätze in Verlags- und Werbebranche auswirkt, heißt es in dem Schreiben. Zu den Unterzeichnern gehören neben dem BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft) auch Verbände wie IAB Europe, zu deren Mitgliedern die Werberiesen Google und Facebook zählen.

Apple hat in iOS 14 eine Reihe neuer Funktionen integriert, die heimlichen Zugriff auf Nutzerdaten verhindern sollen. Dazu gehört auch, dass Apps nicht länger unbemerkt auf den Advertising Identifier zugreifen können. Apple habe mit der Neuerung die Werbe-ID zwar nicht "gekillt", aber praktisch nutzlos gemacht, hieß es zuvor schon aus der Werbebranche.

(lbe)