Treibstoffmangel: Internet in Beirut teilweise ausgefallen

Wirtschaftskrise und Treibstoffmangel plagen den Libanon seit Längerem. Nun ist das Internet in der Hauptstadt großflächig abgestellt worden, weil Diesel fehlt.

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(Bild: pan demin/Shutterstock.com)

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  • Tilman Wittenhorst

Im Libanon ist in Teilen des Landes das Internet ausgefallen, weil zum Betrieb der Infrastruktur kein Treibstoff mehr zur Verfügung stand. Der staatliche Telekommunikationsbetreiber Ogero gab am Samstagabend auf Twitter bekannt, mehrere Knotenpunkte in der Hauptstadt Beirut seien vorübergehend abgestellt, weil es an Diesel mangele – erst bei ausreichender Versorgung damit könne der Betrieb wieder aufgenommen werden. Das Unternehmen verwies auf "Umstände, die sich außerhalb unserer Kontrolle" befänden.

NetBlocks bestätigte in einem Tweet vom Sonntag, dass in einigen Gebieten Beiruts das Internet abgeschaltet sei. Die Watchdog-Organisation, die sich um IT-Sicherheit und Internetbeobachtung kümmert, zitierte auch den CEO von Ogero mit einer Äußerung nur wenige Stunden vor den ersten Ausfällen: Das Netz werde demnächst aufhören zu funktionieren, wenn der letzte Liter Diesel verbraucht sei. Am Sonntagnachmittag teilte Ogero per Twitter jedoch mit, dass einige der Knotenpunkte in Beirut den Betrieb wieder aufgenommen hätten.

Der vergleichsweise kleine Mittelmeer-Anrainerstaat kämpft bereits seit 2019 mit einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise sowie einer instabilen politischen Lage. Dabei kommt es immer wieder zu Stromabschaltungen und akutem Treibstoffmangel, was die zunehmend verarmte Bevölkerung direkt zu spüren bekommt; lediglich Besserverdienende können Strom auf private Initiative hin per eigenem Generator zu erzeugen versuchen. Auch Internet- und Mobilfunkverbindungen fallen seit Jahren immer wieder punktuell aus.

Wie akut die Gefahr eines großflächigen Ausfalls wie dem jetzigen ist, deutete bereits vor mehr als einem halben Jahr Ogero-Chef Imad Kreidieh in einem Interview an. In Teilen des Landes gebe es mitunter nur an sechs Stunden pro Tag elektrischen Strom, sagte er damals der Tageszeitung The National. Die Einnahmen der Versorger würden die Strombeschaffungskosten oft nicht decken, weswegen es in der Folge zu Zahlungsausfällen bei beteiligten Unternehmen komme. Zudem verschärft eine massive Inflation der Landeswährung Lira die finanziellen Schwierigkeiten.

(tiw)