"Truth Social": Trumps soziales Netzwerk soll Open-Source-Lizenz verletzt haben

Trumps neue Twitter-Alternative soll sich beim Code der Plattform Mastodon bedient haben, ohne den eigenen Code offenzulegen. Ein Verstoß gegen die AGPLv3?

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(Bild: kovop58/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Donald Trumps alternatives soziales Netzwerk Truth Social ist noch nicht offiziell gestartet, sorgt aber schon für Konflikte: Die gemeinnützige US-Organisation Software Freedom Conservancy (SFC) erhebt den Vorwurf, dass bei Truth Social gegen die Affero General Public License (AGPLv3) verstoßen wurde. Es gebe laut der Organisation deutliche Hinweise, dass Trumps Netzwerk auf Code des twitterähnlichen Dienstes Mastodon basiere, der unter dieser Open-Source-Lizenz steht. Wer Code unter AGPLv3 derart weiterverwende, müsse dann aber auch der Lizenz folgen und den von eigener Hand modifizierten Mastodoncode zugänglich machen. Genau das sei nicht passiert.

Der frühere US-Präsident Trump hatte am Mittwoch die Gründung der neuen Plattform angekündigt. Er habe das Geld für die Gründung seines eigenen börsennotierten Medienunternehmens zusammen. US-Berichten nach war kurzzeitig darauf eine wohl als Test gedachte Version des Netzwerks online, auf die zahlreiche Personen, darunter Hacker und Journalisten, sogleich Zugriff nahmen und Accounts einrichteten. Aktivisten fluteten die Plattform mit Fake-Profilen und Protestmemes.

Über andere soziale Medien kursierten auch zahlreiche Screenshots, die auf Ähnlichkeiten zu Mastodon hinwiesen – unter anderem etwa Verweise im HTML-Code der Seite oder die Verwendung des gleichen Maskottchens auf einer Fehlerseite. "Na, das sieht doch vertraut aus", kommentierten die Mastodon-Macher auf Twitter.

Genau diesen frühen Nutzern hätte Truth Social bereits möglich machen müssen, den Quellcode nebst Lizenzbedingungen einzusehen, argumentiert Bradley M. Kuhn von der SFC in einem Blogbeitrag. Trumps Mediengruppe hinter dem sozialen Netzwerk müsse dieser Pflicht zur Offenlegung nun binnen 30 Tagen nachkommen, ansonsten verfielen ihre Rechte an der Software. "So funktionieren die Rechtsvorschriften der AGPLv3 ohne Ausnahme – auch wenn Sie ein Immobilienmogul, Reality-TV-Star oder sogar ehemaliger US-Präsident sind", sagte Kuhn.

Mastodon-Gründer Eugen Rochko sagte verschiedenen US-Medien, dass sich Truth Social den kursierenden Bildern nach zu urteilen deutlich bei Mastodon bedient habe. Er wolle sich zunächst rechtliche Beratung in der Sache einholen. "Die Einhaltung unserer AGPLv3-Lizenz ist sehr wichtig für mich, denn es ist die Basis, auf der ich und andere Entwickler bereit sind, die Arbeit von Jahren kostenlos weiterzugeben." Die Frage, ob er rechtliche Schritte ergreifen wolle, ließ Rochko unkommentiert.

Trumps Mediengruppe nahm noch keine Stellung zur Sache. Im November solle das Netzwerk für geladene Gäste starten, Anfang 2022 dann landesweit, hieß es in der Ankündigung am Mittwoch. Ziel sei es, der "Tyrannei" der großen Tech-Unternehmen die Stirn zu bieten. "Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine riesige Präsenz auf Twitter haben, aber euer liebster amerikanischer Präsident zum Schweigen gebracht wurde", teilte Trump mit.

Auf der Homepage truthsocial.com ist aktuell nicht viel zu sehen, außer der Ankündigung des Dienstes. Man kann sich für eine Warteliste eintragen, es gibt es Nutzungs- und Datenschutzregeln. Ferner wird zu einer kostenlosen iPhone-App verlinkt, die aber noch nicht erschienen ist.

Twitter, Facebook und YouTube hatten Trumps Konten im Januar kurz vor dem Ende seiner Amtszeit gesperrt. Auslöser war die Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger Trumps – und dass er Sympathie für die Angreifer bekundete. Außerdem behauptet er nach wie vor ohne jegliche Belege, dass ihm der Sieg bei der Präsidentenwahl im November durch Betrug gestohlen worden sei. Damit heizte er die Stimmung im Land auf.

Auf Twitter folgten Trump mehr als 80 Millionen Nutzer – bis zur Sperre war es für ihn die wichtigste Kommunikationsplattform. Der Ex-Präsident wehrt sich seit längerem juristisch gegen die Sperrung seines Accounts.

(axk)