Tschechien will Atomkraft ausbauen

Die neue tschechische Regierung meint, die natürlichen Ressourcen des Landes reichten nicht aus, um auf Atomkraft verzichten zu können.

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Atomkraftwerk Temelin.

(Bild: ČEZ)

Von
  • Andreas Wilkens

Die seit Ende November 2021 amtierende neue Regierung der Tschechischen Republik setzt auf den Ausbau der Atomkraft. Ministerpräsident Petr Fiala meint, seinem Land fehle es an den natürlichen Ressourcen, um allein auf Erneuerbare Energien zu setzen. Daher müsse Atomkraft ein wichtiger Teil des tschechischen Energiemixes sein, um energiewirtschaftlich unabhängig sein zu können. Die Hinwendung zur grünen Energie – wie sie nun andere Länder eilig vollzögen – dürfe nicht die Energieautarkie Tschechiens gefährden.

Fiala begrüßte in einem Interview den Vorschlag der EU-Kommission für eine Taxonomie-Verordnung, die auch Atomkraft und Erdgas als für den Übergang zur Klimaneutralität geeignete Brückentechnologien ansieht, auch wenn Erdgas darin nicht so berücksichtigt werde, wie es für Tschechien besser wäre.

Daniel Benes, CEO des tschechischen Energiekonzerns ČEZ, hatte vor Kurzem eingewandt, die vorgeschlagene Verordnung sei bei Weitem nicht so günstig für die Atomkraft und Erdgas aus tschechischer Sicht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Fiala will daher in Verhandlungen zur Taxonomie versuchen, ein Ergebnis zu erzielen, das gut für sein Land wäre und sich dafür Verbündete suchen. Da denke er insbesondere an Frankreich.

Fiala hatte nach eigenen Angaben der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kurz vor Weihnachten geschrieben, dass die tschechische Energiepolitik von vielen Fraktionen mitgetragen werde. Vielleicht habe dieser Brief dazu beigetragen, die Kommission davon abzuhalten, die Entscheidungen zur Taxonomie zu verschieben.

Die geplante Taxonomie-Verordnung soll Investoren in der EU klare Kriterien aufzeigen, welche Aktivitäten dabei helfen, in den nächsten 30 Jahren klimaneutral zu werden. Die EU-Kommission hatte dazu im April 2021 ein Paket vorgestellt, das Details dazu regeln soll. Die Frage, ob auch Investitionen in Erdgas- und Atomprojekte nachhaltig sein können, hatte die Kommission dabei noch ausgeklammert – bis zu der Mitteilung am Silvesterabend 2021.

In Tschechien sind momentang sechs Reaktoren an zwei Standorten in Betrieb. Die ältesten Reaktorblöcke am Standort Dukovany in Südmähren sind seit mehr als 35 Jahren am Netz. Bei Umweltschützern besonders umstritten ist das AKW Temelin, weil es amerikanische Leit- mit russischer Reaktortechnik kombiniert. Es liegt rund 60 Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt. Im März 2021 wurde entschieden, dass das AKW Dukovany ausgebaut werden darf.

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(anw)