Twitch: Mehr Werbung und weniger Auszahlung für Streamer

Damit die Streamingplattform Twitch mehr Geld abwirft, überlegt Amazon, weniger Geld an die Streamer auszuzahlen und mehr Werbung zu schalten.

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(Bild: Ink Drop/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes

Die Streamingplattform Twitch will Berichten zufolge die Einnahmen steigern. Allerdings nicht durch Preiserhöhungen, sondern indem der zu Amazon gehörende Dienst die Einnahmen durch Abonnements der Zuschauer anders verteilt – zugunsten Amazons. Zusätzlich gibt es demnach interne Überlegungen, mehr Werbung zu schalten. Es soll aber auch Zugeständnisse geben.

Die Streamer auf Twitch bekommen die Hälfte der Einnahmen der unterschiedlichen Abo-Gebühren, die Subscriber an Amazon zahlen. Die großen Streamer, die in der Regel eine vertragliche Partnerschaft mit Amazon eingehen, bekommen 70 Prozent oder noch mehr – je nach Verhandlungsmöglichkeiten und -geschick. Nun will Amazon dieses Verhältnis zu seinen Gunsten ändern und die Auszahlung bei Partnern auf 50 Prozent schmälern, berichtet Bloomberg. Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen aller Streamer öffentlich geworden.

Zusätzlich gebe es Mitarbeiten – die anonym bleiben möchten – zufolge Überlegungen, mehr Werbung während der Streams zu schalten. Werbung erscheint derzeit vor den Streams oder wenn der Streamer dies manuell auslöst. Diese kann, anders als bei anderen Plattformen, nicht nach kurzer Zeit abgebrochen werden. Werbung mitten in der Übertragung, die automatisch seitens Amazon geschaltet wird und den Livestream unterbricht, wäre für das Format schädlich, solange nicht mindestens Instant Replay auf Twitch eingeführt.

Mit Instant Replay könnte "zurückgespult" und die durch Werbeunterbrechungen verpassten Szenen angeschaut werden. Allerdings läuft dann der für Streamer so wichtige Chat entweder zeitversetzt oder ergibt wenig Sinn. Werbeeinblendungen in Form von etwa Bauchbinden sind eine weitere Möglichkeit, die vermutlich aber weniger Geld einbringen.

Bei der Ausspielung von mehr Werbung soll Bloomberg zufolge ein Teil der Einnahmen an die Streamer ausgezahlt werden, dessen wichtigste Einnahmequelle allerdings immer noch die kostenpflichtigen "Subs" sind – insbesondere Twitch Prime. Twitch Prime ist ein Zusatzprodukt von Amazon Prime, bei der ein Zuschauer mit aktiven Amazon Prime-Abonnement seinen Twitch-Account mit seinem Amazon-Konto verbinden kann. Auf diese Weise kann er den Streamer seiner Wahl finanziell ohne zusätzliche Kosten unterstützen – Twitch Prime entspricht dem kleinsten kostenpflichtigen Abonnement.

Im Zuge der Kürzung der Auszahlung überlegt Amazon dem Bericht zufolge auch, die Partner-Streamer nicht mehr exklusiv an Twitch zu binden, sodass sie auch Live-Inhalte wie etwa Gaming auf anderen Plattformen übertragen können – beispielsweise auf YouTube oder Facebook. Das ist derzeit in vielen Verträgen nicht erlaubt. Unterschiedliche Software-Lösungen und Dienste ermöglichen eine simultane Übertragung auf mehrere Video-Plattformen gleichzeitig, die auch die jeweiligen Chatfunktionen zusammenführt.

Diese möglichen Aktualisierungen des Partnerprogramms seien den nicht namentlich genannten Personen zufolge noch nicht abgeschlossen, berichtet Bloomberg weiter. Demnach haben in den letzten Monaten viele langjährige und hochrangige Mitarbeiter Twitch verlassen und erklärt, dass "Twitch den Kontakt zu den Bedürfnissen seiner Community verloren" habe.

Unabhängig von der Twitch-Werbung und den Subs generieren viele Influencer auf Twitch und ähnlichen Plattformen Einnahmen durch Werbe-Partnerschaften, die außerhalb von Twitch abgeschlossen werden.

(bme)