Twitter-Chef Jack Dorsey tritt zurück​

Der Mitgründer des sozialen Netzwerks nimmt zum zweiten Mal seinen Hut und übergibt an seinen CTO. Der übernimmt das Schiff in stürmischer See.

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Jack Dorsey

(Bild: dpa, picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa)

Von
  • Volker Briegleb

Twitter-CEO Jack Dorsey tritt zurück und gibt die Führung des von ihm gegründeten sozialen Netwerks mit sofortiger Wirkung an Technikchef Parag Agrawal ab. Das teilte das Unternehmen am Montagnachmittag mit und bestätigte damit US-Medienberichte. Dorsey bleibt demnach bis zur Generalversammlung im nächsten Jahr Mitglied im Verwaltungsrat, der mit Bret Taylor von Salesforce einen neuen Vorsitzenden erhält.

"Ich habe mich entschieden, Twitter zu verlassen, weil ich der Überzeugung bin, dass das Unternehmen bereit ist, sich ohne seine Gründer weiterzuentwickeln", erklärte Dorsey laut der Mitteilung. Er vertraue seinem Nachfolger Agrawal, der seit zehn Jahren wertvolle Arbeit für Twitter geleistet habe.

Dorsey gibt den Spitzenjob damit zum zweiten Mal auf – nur ist es dieses Mal offenbar einvernehmlich. Jack Dorsey hatte auf der gemeinsam mit Biz Stone und Evan Williams gegründeten Plattform 2006 den allerersten Tweet abgesetzt. Er führte die Firma in den Anfangsjahren 2007 und 2008, wurde aber von Williams und dem Verwaltungsrat abgesetzt. Danach gründete Dorsey den Bezahldienst Square und trat bei Twitter kürzer.

2015 gab Dorsey dann sein Comeback als CEO. Seine zweite Amtszeit war geprägt von dem zunehmenden politischen Druck auf soziale Medien wie Twitter und Facebook, die im Zuge der US-Präsidentschaftswahl 2016 ins Visier des Gesetzgebers gerieten – und es bis heute sind. Ob Twitter langfristig eine Bereicherung für den gesellschaftlichen Diskurs ist, darf nach den Erfahrungen der ersten Jahre bezweifelt werden.

Zugleich musste Dorsey sich gegenüber Investoren verantworten, denen Twitter nicht genug Rendite abwarf. Unter seiner Führung gelang es Twitter zwar, weitgehend aus den langjährigen roten Zahlen herauszukommen – auch wenn zuletzt eine Vergleichszahlung nach einer Investorenklage wieder für einen hohen Verlust sorgte. Doch kommt Twitter mit seinem Geschäftsmodell, bei dem Werbekunden für Geld Tweets in die Timeline der Nutzer bringen können, nicht annähernd an die Anzeigenerlöse von Facebook heran.

Auch bei der Kursentwicklung hinkt Twitter den Großen der Online-Branche deutlich hinterher, was bei Anlegern gelegentlich für Murren sorgte. Zuletzt startete Twitter den Versuch, zusätzliches Geschäft mit Abo-Erlösen zu erschließen. Die Twitter-Aktie startete nach der Bekanntgabe von Dorseys Abschied mit einem Plus von gut zehn Prozent in den US-Aktienhandel.

(vbr)