Twitter: Musk kündigt farbige Verifizierungshaken und Ende der Entlassungen an

Twitters neuer Chef will Fake-Accounts verhindern, womöglich kommen Verifizierungshaken in verschiedenen Farben. Indes steigt der Druck auf Werbekunden.

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(Bild: FellowNeko/Shutterstock.com)

Auf Twitter soll ein neues System zur Account-Verifizierung jetzt erst eingeführt werden, wenn mit hoher Zuverlässigkeit falsche Identitätsangaben verhindert werden. Das erklärte der neue Twitter-Chef Elon Musk in einem Tweet. Wahrscheinlich sei, dass für Accounts von Organisationen eine andere Farbe verwendet werde, als für Individuen. Bislang gibt es einen blauen Haken, nachdem der aber zu Kauf angeboten wurde, herrschte regelrechtes Chaos auf der Plattform. Während Musk nun ein durchdachteres Vorgehen verspricht, könnte der Druck der Werbekundschaft steigen. Aktivisten zufolge kaufen von den 100 größten Werbekunden auf Twitter aktuell 51 keine Anzeigen, berichtet Reuters.

Hintergrund des Hin und Hers rund um die Verifizierung von Accounts auf Twitter ist die dort jahrelang geübte Praxis, Prominenten, Organisationen und Unternehmen nach einer Prüfung den blauen Haken zu verpassen. Das sollte sicherstellen, dass für die Accounts auch tatsächlich die verantwortlich sind, zu denen sie angeblich gehören. Nach der milliardenschweren Übernahme hat Musk dann aber durchgesetzt, dass man unter anderem den Haken für eine Abogebühr kaufen kann. In der Folge waren Prominenten- und Marken-Accounts gefälscht worden, die Betroffenen fürchteten um ihren Ruf. Mit neuen Häkchen will Musk das jetzt verhindern, er hat aber auch bereits angekündigt, dass Tweets von Accounts ohne Haken in Zukunft deutlich weniger sichtbar sein sollen.

Derweil berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, dass aktivistische Gruppen Werbekunden von Twitter drängen, nach der Freigabe des Accounts von Donald Trump dort keine Anzeigen mehr zu schalten. Die Gruppe namens "Stop Toxic Twitter" erinnert demnach daran, dass Musk einen Prüfprozess und ein eigenes Gremium angekündigt hatte. Dann wurde Trump am Wochenende aber einfach nach einer Twitterumfrage zurück auf die Plattform gelassen. Musk habe von Anfang an gelogen und jedes Versprechen an Bürgerrechtler und die Werbeindustrie gebrochen, zitiert Reuters zwei Personen aus der Gruppe.

Zahlen der Gruppe zufolge schalten 51 der 100 größten Werbekunden aktuell keine Anzeigen auf Twitter, der Rest solle jetzt unter Druck gesetzt werden. Wer aktuell keine Werbung auf Twitter schalte, solle das öffentlich machen. Andernfalls könnten die Namen der Konzerne publik gemacht werden, die Twitter weiter für Werbeanzeigen bezahlen. Gleichzeitig heißt es aber auch, dass die Ausgaben der 100 größten Kunden für Anzeigen auf Twitter von Mitte Oktober bis Mitte November nur von 24,2 Millionen US-Dollar auf 23,6 Millionen US-Dollar gefallen sind.

Auch mehr als drei Wochen nach der Übernahme durch Elon Musk hält derweil die Entlassungs- und Kündigungswelle an. Am Sonntag teilte Twitters Frankreichchef Damien Viel in einem Tweet mit, "c'est fini" und kündigte. Er dankte allen im Unternehmen für die "sieben unglaublichen und intensiven Jahre". Zuvor waren die fürs Marketing und Partnerschaften verantwortlichen Managerinnen entlassen worden, weil sie sich geweigert hatten, weitere Stellen abzubauen, berichtet Bloomberg. Laut The Verge hat Twitter aktuell noch etwa 2700 Angestellte, mit den Massenentlassungen soll Musk zufolge nun Schluss sein. Als er das Unternehmen übernommen hat, waren dort noch rund 7400 Personen beschäftigt.

(mho)