Twitter hat Mietschulden: Zwang zu Homeoffice in Singapur

Auf Musks Heimarbeits-Verbot folgt in Singapur nun der Zwang. Weil Twitter die Miete nicht zahlt, wurden die Büros geräumt.

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Schattenriss Elon Musks vor dem Twitter-Logo

(Bild: kovop58/Shutterstock.com)

Twitters Zentrale für Asien und den Pazifikraum wurde am Mittwoch geräumt, weil Twitter den Mietzins nicht bezahlt hat. Die Werktätigen wurden kurzfristig angewiesen, ihre persönlichen Sachen vor 17 Uhr Ortszeit zusammenzupacken. Dann eskortierte der Vermieter die Twitter-Mitarbeiter aus dem Gebäude.

Seit Donnerstag müssen die verbliebenen Twitter-Mitarbeiter in Singapur von zu Hause arbeiten, berichtet Bloomberg – einfach weil es für sie keine Büros mehr gibt. Dabei hat der neue Twitter-Eigentümer Elon Musk erst vor zwei Monaten Heimarbeit verboten.

Das frühere Management hatte der Belegschaft das dauerhafte Recht gewährt, von zu Hause arbeiten zu dürfen. Musk wollte diese Zusicherung nicht einhalten; er drohte jenen, die nicht mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro absitzen, mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes: Arbeit von daheim fasst er nämlich als Kündigung durch den Mitarbeiter auf.

Juristisch steht das nicht unbedingt auf festen Beinen – genau wie die Weigerung, den vereinbarten Mietzins für Twitter-Büros zu zahlen. Sogar ein Anwalt aus Twitters eigener Rechtsabteilung sagte in einem internen Chat damals, dass der plötzliche Bürozwang illegal sei.

Singapur ist kein Einzelfall. Musk hat befohlen, zahlreiche Verträge zu brechen und einfach nicht zu zahlen, darunter mit Softwareanbietern, Transportunternehmen, Reinigungsfirmen und grundsätzlich allen Vermietern. Mindestens ein Vermieter in San Francisco hat zwischen den Jahren Klage gegen Twitter wegen nicht gezahlter Miete erhoben (Columbia Reit v. Twitter et al, Superior Court of California, County of San Francisco, Az. CGC-22-603719). Der Vertrag läuft eigentlich noch bis nächstes Jahr.

In Seattle musste die Twitter-Belegschaft sogar ihr eigenes Klopapier ins Büro tragen, weil Musk nicht mehr dafür bezahlt. Inzwischen wurde das Büro in Seattle ebenfalls geschlossen, ebenfalls wegen Mietrückständen. Damit sind auch jene Mitarbeiter in Seattle, die nach den weitreichenden Kündigungswellen noch verbliebenen sind, zu Heimarbeit gezwungen. Für manche furchtbar, für andere eine Erleichterung, zumal wochenlang nicht gereinigte Büros kein Luftkurort sind.

Musk hilft seinen Mitarbeitern aber nicht dabei, ihre Büros zu Hause einzurichten. Stattdessen lässt er die Einrichtung aus den Ex-Twitter-Büros online versteigern, gemeinsam mit nicht mehr genutzter Kücheneinrichtung und sogar Twitter-Leuchtschriften.

(ds)