Twitter hat mehr Nutzer, schreibt weniger Gewinn

Twitter macht mit mehr Usern mehr Umsatz, doch steigen die Kosten deutlich stärker. Das schmälert den Profit. Im laufenden Quartal droht Verlust.

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(Bild: Brett Jordan / Unsplash)

217 Millionen tägliche Nutzer, deren Aufmerksamkeit zu Geld gemacht werden kann, hatte Twitter im Dezember 2021. Das ist zwar ein Zuwachs von 13 Prozent im Jahresabstand, doch lag das Nutzerwachstum 2020 noch doppelt so hoch (27%). Der Betriebsgewinn des vierten Quartals 2021 ist um ein Drittel gefallen. Aufgrund teurer Entschädigungszahlen an Aktionäre schreibt Twitter im Gesamtjahr 2021 sogar Verlust.

Das geht aus den Finanzdaten hervor, die Twitter Donnerstagabend veröffentlicht hat. In den USA bewegt sich die Zahl der täglich vermarktbaren User (mDAU) seit dem Ende des zweiten Quartals 2020 kaum noch und liegt bei 37 +/- 1 Millionen. Außerhalb der USA findet Twitter unterdessen laufend neue User. 179 Millionen zum Jahresende sind 15 Prozent mehr, als ein Jahr zuvor. Die Zahl der täglichen Neuanmeldungen ist im vierten Quartal sogar um gut ein Drittel gestiegen. Größter Markt außerhalb der USA ist Japan.

Twitter hat im vierten Quartal 1,57 Milliarden US-Dollar umgesetzt (+22%). Das Geld stammt zu gut 90 Prozent aus Reklame, und das überwiegend von der vergleichsweise kleinen Schar der Twitter-Nutzer in den USA: Obwohl sie nur 17,5 Prozent der Nutzer stellen, sorgen sie für 55,5 Prozent der Werbeeinnahmen. Zwar haben Twitter-Nutzer in den drei Monaten zum Jahresende seltener auf Reklame geklickt (-12%), dafür konnte Twitter für jede Werbeinteraktion im Schnitt 39 Prozent mehr in Rechnung stellen.

Zum Jahresende 2021 zählte Twitter 7.500 Mitarbeiter weltweit – 35 Prozent mehr als Ende 2020. Das erklärt einen Teil der gestiegenen Kosten: +55 Prozent bei der Verwaltung, +50 Prozent bei Forschung und Entwicklung, +39 Prozent für den Vertrieb und +19 Prozent für den Betrieb der eigenen Systeme.

Und so bleibt trotz gestiegenem Quartalsumsatz ein um ein Drittel auf 167 Millionen Dollar gefallener Betriebsgewinn. Die Marge hat sich von rund 20 Prozent im vierten Quartal 2020 auf rund elf Prozent im vierten Quartal 2021 annähernd halbiert. Dank höherer Gewinne aus Finanzanlagen hat das Unternehmen im vierten Quartal wieder einmal mehr Nettogewinn als Betriebsgewinn gemacht. Die 182 Millionen Dollar sind allerdings ein Rückgang von über 18 Prozent im Jahresabstand.

Für das Gesamtjahr 2021 meldet Twitter 5,08 Milliarden Dollar Umsatz (+37%), ist aber in die Verlustzone gerutscht: 493 Millionen Dollar Betriebsverlust 2021 nach 27 Millionen Betriebsgewinn 2020. Denn eine millionenschwere Vergleichszahlung verhagelt Twitter die Bilanz. Das hat im dritten Quartal rund 800 Millionen Dollar gekostet. Der Nettoverlust ist deutlich geringer ausgefallen, 221 Millionen Dollar nach 1,1 Milliarden Dollar 2020.

Twitters Barreserven sind 2021 um mehr als eine Milliarde Dollar auf 6,4 Milliarden Dollar geschmolzen. Dennoch legt der Verwaltungsrat ein neues Aktienrückkaufprogramm auf. Zwei Milliarden Dollar sollen dafür beschleunigt ausgegeben werden, weitere zwei Milliarden über einen längeren Zeitraum. Dafür wird das 2020 aufgelegte Aktienrückkaufprogramm abgebrochen. Von den damals freigegeben zwei Milliarden waren noch rund 819 Millionen Dollar im Topf.

Für das laufende Quartal erwartet das Management 1,17 bis 1,27 Milliarden Dollar Umsatz (+12-22%) und 175 bis 225 Millionen Dollar Betriebsverlust. Einerseits zieht Twitter die Ausschüttung bestimmter Aktienoptionen ins erste Quartal vor, andererseits setzt es bis Ende 2023 mehr auf Nutzerwachstum als auf Profitabilität.

Nach Bekanntgabe der Finanzzahlen hat sich Twitters Aktienkurs im nachbörslichen Handel kaum bewegt. Vor einem Jahr wurden die Wertpapiere zu 68,56 Dollar gehandelt, Donnerstagabend waren sie wenig mehr als 37 Dollar wert.

[Update 28.04.2022 – 16:00 Uhr] Die Zahl der täglichen aktiven Nutzer wurde auf 217 Millionen korrigiert.

(ds)