Twitter sucht freiwillige Faktenchecker für Selbstkontrolle

Twitter rekrutiert 1.000 US-Amerikaner, die Tweets auf deren Wahrheitsgehalt überprüfen sollen. Unbezahlt.

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Twitter-Logo, davor ein Scherenschnitt Donald Trumps

(Bild: kovop58/Shutterstock.com)

Von
  • Torge Löding

Seit Montag können sich Freiwillige in den USA beim Kurznachrichtendienst Twitter als ehrenamtliche Faktenprüfer registrieren. Ähnlich wie bei Wikipedia sollen Tweets populärer User durch crowdbasierte Korrekturen und Erläuterungen ergänzt werden. Twitter nennt dieses Projekt "Birdwatch" (Vogelbeobachtung).

Mitwirkende können Anmerkungen zu Tweets hinzufügen, die sie als irreführend einschätzen. Zunächst werden die Anmerkungen auf einer separaten Seite erscheinen. Erst nach einer Testphase sollen sie neben den Tweets selbst stehen.

Mit dem Community-Ansatz reagiert das Unternehmen auf kritische Stimmen, die nach der (inzwischen endgültigen) Sperre des Twitter-Accounts Donald Trumps laut wurden. Jenseits der Frage, ob Trump nun Fake News verbreitet hat oder nicht, stand die Sorge, dass ein privates Big-Tech-Unternehmen eigenständig entscheide, was Wahrheit oder Lüge sei. Ob die an die Praxis Wikipedias angelehnte Community-Kommentarfunktion da wirklich Abhilfe schafft, bleibt abzuwarten.

"Birdwatch erlaubt es Menschen, Informationen in Tweets zu identifizieren, die sie für irreführend halten, und Anmerkungen zu schreiben, die einen informativen Kontext liefern", verteidigt Keith Coleman, Leiter der Produktentwicklung Twitters, im Unternehmensblog die Initiative. "Wir glauben, dass dieser Ansatz das Potenzial hat, schnell zu reagieren, wenn sich irreführende Informationen verbreiten, und Kontext hinzuzufügen, dem die Leute vertrauen und den sie für wertvoll halten. Letztendlich wollen wir die Mitteilung direkt in den Tweets für das globale Twitter-Publikum sichtbar machen, wenn es einen Konsens einer breiten und vielfältigen Gruppe Mitwirkender gibt“, schreibt Coleman.

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Er wisse, dass es eine Reihe von Herausforderungen beim Aufbau eines solchen Community-gesteuerten Systems gebe – beginnend bei Resistenz gegen Manipulationsversuche bis hin zur Sicherstellung, dass es nicht von einer einfachen Mehrheit dominiert oder aufgrund der Verteilung der Mitwirkenden verzerrt werde. Deshalb werde auch ein Akademiker des Labors für Radical Innovation for Social Change (RISC) der Universität Chicago bei Birdwatch mitarbeiten. Zudem sollen weitere sozialwissenschaftliche und andere akademische Perspektiven berücksichtigt werden.

(ds)