Twitter will am Freitag Entlassene schon wieder zurückholen

Als auf Betreiben Elon Musks die Hälfte der Twitter-Belegschaft gefeuert wurde, war das wohl nicht durchdacht. Erste Entlassene sollen zurückgeholt werden.

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(Bild: InFootage.com/Shutterstock.com)

Twitter hat übereinstimmenden Berichten zufolge damit begonnen, einige erst am Freitag entlassene Angestellte zu bitten, zurückzukommen. Unter Berufung auf anonyme Quellen schreibt das US-Finanzmagazin Bloomberg, dass einige der Angeschriebenen gar nicht hätten entlassen werden sollen. Andere seien gefeuert worden, bevor das zuständige Management erkannt habe, dass deren Arbeit und Expertise für den Einbau von Funktionen gebraucht wird, die der neue Twitter-Chef Elon Musk benötigt.

Derweil scheinen immer mehr Twitter-Accounts mit dem blauen Haken, der sie als verifiziert ausweist, sich als Elon Musk auszugeben, wofür sie nun direkt von der Plattform geschmissen werden. Damit weisen sie aber auch darauf hin, wie das neue Vorgehen für den Haken missbraucht werden kann.

Eine Woche nach der Übernahme durch Elon Musk hatte Twitter am Freitag – per E-Mail – ungefähr 3700 Angestellte entlassen, das ist etwa die Hälfte der gesamten Belegschaft des sozialen Netzwerks. Teilweise wurden ganze Teams aufgelöst oder bis auf wenige Personen zusammengestrichen. Weil es intern keine Informationen dazu gab, versuchten die verbliebenen Angestellten später auch öffentlich herauszufinden, wer überhaupt noch bei Twitter arbeitet.

Schon am Wochenende sei dann im firmenintern genutzten Kommunikationsdienst Slack eine Nachricht an alle gegangen, zitiert der US-Journalist Casey Newton: "Wir haben die Möglichkeit, Entlassene zu fragen, ob sie zurückkommen würden. Ich habe bis heute Nachmittag Zeit, Namen und Begründungen zu sammeln." Bloomberg konnte das demnach bestätigen.

Gleichzeitig hat Twitter am Wochenende in den ersten Ländern das umstrittene neue 8-Dollar-Abo eingeführt, das unter anderem den blauen Haken enthält, der bislang als Verifizierung diente. Im Heimatmarkt USA soll die Neuerung erst nach den anstehenden Zwischenwahlen kommen.

Mehrere verifizierte Accounts von Journalistinnen und Journalisten erklärten dazu, dass der Haken kein Privileg sei, sondern von Twitter eingeführt wurde, um gegen Accounts vorzugehen, die sich als jemand ausgeben, der sie nicht sind. Ihnen wurde der Haken offenbar bereits von ihrem jeweiligen Arbeitgeber spendiert.

Dass dieses Konzept eher undurchdacht erscheint, bewiesen bereits einige Accounts mit blauem Haken. Mehrere Prominente änderten ihren Namen zu Elon Musk, tauschten das Profilbild aus und twitterten als der angebliche Twitter-Chef. Trotz des blauen Hakens ist das möglich und dürfte mindestens einige verwirrt haben. Musk selbst kündigte an, dass dafür nun direkt Nutzerkonten gesperrt würde. Der Guardian hat dafür mehrere Belege gefunden.

Musk hat derweil noch andere Probleme. Angesichts der chaotischen Tage nach der Übernahme haben mehrere große Werbekunden angekündigt, Twitter vorerst fernbleiben zu wollen. Unter anderem die Volkswagen-Gruppe, der Pharmakonzern Pfizer und der Lebensmittelriese Mondelez beabsichtigen, die eigene Werbung bei Twitter auszusetzen.

Musk beklagte sich in der Folge über einen "massiven Umsatzeinbruch" und schob die Verantwortung dafür "Aktivistengruppen" zu, die Druck auf die Unternehmen ausüben würden. Er drohte sogar damit, diese bloßstellen zu wollen. Wortwörtlich sprach der Mann, der den Twitterkauf angeblich wegen seiner Angst vor einem Dritten Weltkrieg abbrechen wollte, von einem "thermonuklearen 'name & shame' [Benennen und Schämen]", das folgen würde, "wenn das nicht aufhört". Werbeeinnahmen haben bei Twitter zuletzt rund 90 Prozent der Erlöse ausgemacht.

(mho)