#TwitterBan – Nigeria verkündet Twitter-Blockade

Die Unstimmigkeiten zwischen Nigeria und dem Kurznachrichtendienst Twitter eskalieren: Nun will das Land den Dienst komplett sperren.

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Von
  • Dorothee Wiegand

Mit einem Tweet kündigt das nigerianische Informationsministerium am gestrigen Freitag an, Twitter im eigenen Land auf unbestimmte Zeit blockieren zu wollen. Ab wann diese Blockade gelten soll, blieb zunächst unklar. Nun wird über mögliche Gründe für diesen Schritt spekuliert.

Offiziell hieß es, dass Twitter immer wieder in einer Art und Weise genutzt werde, die Nigeria schade und schließlich die Existenz des afrikanischen Staates gefährden könne. Indirekt steckt in dieser Beschreibung der Vorwurf, das Kurznachrichten-Netzwerk unternehme nicht genug gegen störende Inhalte.

Kurz vor der Verkündung der Blockade hatte die Plattform allerdings durchaus eingegriffen: Eine Kurznachricht des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari war zunächst wegen Regelverstößen entfernt, das Twitter-Konto des Staatsoberhaupts kurz darauf für zwölf Stunden gesperrt worden.

Twitter ist unter den Nigerianern sehr beliebt. Unter anderem wird die Plattform von Regierungskritikern dazu genutzt, sich bei Protesten und Aktionen gegen Polizeigewalt zu organisieren. Das wird von den Politikern des Landes nicht gern gesehen. Amnesty International (AI) prangerte in der Vergangenheit den Umgang mit Landsleuten an, die öffentlich ihre Meinung äußerten. Wer sich kritisch äußere, müsste verbale und physische Angriffe sowie Verfolgung, Arrest und Folter fürchten, schreibt Osai Ojigho, Director bei Amnesty International, auf der Webseite der Organisation. Vor Kurzem hatte AI unter dem Hashtag #TalkYourTruth eine Kampagne für das Recht auf freie Meinungsäußerung ins Leben gerufen.

Das Verhältnis zwischen dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas und Twitter ist generell nicht unbelastet. So hatte das soziale Netzwerk im April 2021 mitgeteilt, dass es eine neue Niederlassung in Ghana aufbauen wird und dafür etliche IT-Jobs zu besetzen seien. Unter der Überschrift „Why Ghana“ folgt eine Begründung dafür, dass die Wahl für das neue Büro auf dieses Land fiel: „Als ein Champion in Sachen Demokratie gehört Ghana zu den Unterstützern von freier Rede, freier Meinung online und einem offenen Internet“, heißt es dort. Eigentlich galten Kenias Hauptstadt Nairobi und auch die nigerianische Großstadt Lagos als Favoriten für den neuen Twitter-Standort; in Nigeria löste die Entscheidung daher großen Unmut aus.

(dwi)