UK: Alle brechen Brexit-Versprechen zu Roaming, außer Virgin Media O2

Trotz Versprechen, der Brexit werde nichts am EU-Roaming ändern, kassieren drei britische Mobilfunker bald ab. Virgin Media O2 sieht darin eine Chance.

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Ein Union Jack hängt bei schwachem Wind von einem Fahnenmast

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Die Auswirkungen des Brexit auf Mobilfunk-Roaming werden immer deutlicher. Auslandsreisen in die EU werden für die meisten Briten teurer. Zwar hatten die britischen Mobilfunk-Netzbetreiber vor dem Ausscheiden des Landes aus der EU ("Brexit") versprochen, auch nachher nichts am aufschlagfreien EU-Roaming zu ändern. An dieses Versprechen hält sich jetzt aber nur nur einer der vier Netzbetreiber: Virgin Media O2. Seit Februar 2020 sind Großbritannien und Nordirland nicht mehr Teil der Europäischen Union, womit auch die EU-Roamingregulierung dort nicht mehr greift.

"Wir werden Roaming-Gebühren in Europa nicht wieder einführen", verspricht das Unternehmen, das jüngst durch einen Zusammenschluss der britischen Telefónica-Tochter O2 UK mit Virgin Media, einer Tochter Liberty Globals, hervorgegangen ist. COO Gareth Turpin betont ausdrücklich, dass dies keine kurzfristige Aktion sei, sondern langfristig so blieben soll. Schließlich möchte das Unternehmen neue Kunden gewinnen.

EE (British Telecom) und Vodafone UK wollten Roaminggebühren für ihre Kunden in der EU bereits in der ersten Jahreswoche einführen, haben dies jedoch aufgeschoben. Offenbar sind die notwendigen Tests nicht rechtzeitig abgeschlossen worden. Vodafone wird ab Ende des Monats verrechnen, EE ab März.

Three (Hutchison 3G UK) hat die Einführung der neuen Gebühren für Mai angekündigt. Die drei Netzbetreiber wollen in der Regel einen Aufschlag von zwei Pfund pro Tag verrechnen (etwa 2,40 Euro). Dabei gelten allerdings Grenzen für Datenvolumen oder Aufenthaltsdauern, so dass die Kosten viel höher ausfallen können.

Umgekehrt müssen manche EU-Bürger Reisen nach Großbritannien und Nordirland mit höheren Mobilfunkrechnungen büßen. Für O2 (Telefónica Germany) zählen Verbindungen in oder von Großbritannien und Nordirland schon jetzt zur Weltzone 2, [Update] allerdings werden die Verbindungen bis Ende 2022 wie EU-Roaming behandelt [/Update]. Für die Deutsche Telekom liegt das Vereinigte Königreich weiterhin in der "Ländergruppe EU" – Änderungen vorbehalten. Vodafone Deutschland teilt mit: "Großbritannien bleibt auch nach dem Austritt aus der Europäischen Union Teil der EU-Roaming-Zone."

Der österreichische Marktführer A1 hat bereits letztes Jahr Roaminggebühren in dem Königreich verrechnet, inzwischen stellt auch Drei (Hutchison Drei Austria) dortige Verbindungen in Rechnung. Anders bei Magenta, der österreichischen Tochter der Deutschen Telekom: "Durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ändert sich für Magenta Kunden, die sich in Großbritannien aufhalten, weiterhin nichts", beruhigt der Netzbetreiber seine Kunden.

Auf EU-Ebene zeichnet sich eine Verlängerung der 2017 eingeführten verbraucherfreundlichen EU-Regulierung ab. Als Teil der Strategie zum digitalen Wandel werden die Roaming-Regeln verlängert, und zwar um zehn Jahre bis 2032. Eine grundsätzliche Einigung ist Anfang Dezember erzielt worden, kurz vor Weihnachten hat auch das Europäische Parlament formal eine neue Roaming-Verordnung gefordert.

Die neue EU-Verordnung soll nicht bloß den Status Quo fortschreiben, sondern weitere Verbesserungen bringen: Verbraucher werden beim Roaming in der EU die gleiche Qualität und Bandbreiten genießen, wie zu Hause. Zudem müssen Notdienste dann ausdrücklich gebührenfrei erreichbar sein.

Dass gerade die Hutchison-Gruppe (Drei/Three) bei den Roaminggebühren zulangt, kurz nachdem die EU-Regulierung nicht mehr greift, erstaunt. Der Konzern war Pionier bei der Reduktion von Roaminggebühren. Österreichische Drei-Kunden konnten zu Beginn des Jahrtausends jahrelang in den konzerneigenen Schwesternetzen ohne Aufpreis roamen. Praktisch gleichzeitig mit der Abschaffung des Roaming ohne Aufpreis durch Drei in Österreich 2013 wurde es von Hutchison in Großbritannien neu eingeführt.

Noch schwerer zu rechtfertigen ist, dass Vodafone UK das vor dem Brexit gegebene Versprechen bricht: Der Konzern betreibt Mobilfunk-Netze unter anderem in Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn – der größte Teil des EU-Roamings britischer Kunden bleibt also im eigenen Haus. Selbst wenn sich die Roaming-Einkaufspreise für Vodafone UK geändert haben sollten, flösse das Geld nur von einer Konzerntasche in die andere. Ab Monatsende wird mehr Geld britischer Vodafone-Kunden in die Konzerntaschen fließen.

Hinweis: O2 Germany hat die Regelung, wonach Roaming in Großbritannien wie EU-Roaming verrechnet wird, bis Ende 2022 verlängert. Der Text ist entsprechend aktualisiert.

(ds)