US-Gericht: Angeblicher Bitcoin-Erfinder darf 1,1 Millionen Bitcoin "behalten"

Ein Australier, der behauptet, Satoshi Nakamoto zu sein, muss nicht die Hälfte von dessen Bitcoin herausrücken – aber 100 Millionen US-Dollar.

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(Bild: Sittipong Phokawattana/Shutterstock.com)

Der angebliche Bitcoin-Erfinder Craig Wright hat sich in einem Rechtsstreit in Florida weitgehend durchgesetzt und muss der Familie seines verstorbenen Geschäftspartners nicht Bitcoin im Wert von mehreren Dutzend Milliarden US-Dollar überweisen. Fällig werden aber 100 Millionen echte US-Dollar wegen einer Copyrightverletzung, berichtet CNBC. Sollte er tatsächlich Zugriff auf die fraglichen Bitcoin haben, dürfte das kein Problem sein, andernfalls schon. Bei dem 2018 angestrengten Verfahren ging es um die Hälfte von insgesamt 1,1 Millionen Bitcoin, die kurz nach Erschaffung der Kryptowährung geschürft worden waren. Zum Anfang des Rechtsstreits waren die rund 10 Milliarden US-Dollar wert, aktuell sind es dagegen rund 50 Milliarden US-Dollar.

Trotz der 100-Millionen-Strafe verkauft Wright das Urteil als Sieg. Er fühle sich voll rehabilitiert, sagte er in einem auf Twitter verbreiteten Video. Hätte er vor Gericht verloren, hätte er beweisen müssen, dass er wirklich Zugriff auf die Bitcoin hat, um die dann fällige Auszahlung zu tätigen. Daran gibt es nämlich weiterhin Zweifel. Aber auch um die jetzt verhängte Strafe von 100 Millionen US-Dollar zu bezahlen, dürfte er auf das immense Kryptovermögen angewiesen sein. Das wurde einem Joint Venture zugesprochen, das Wright mit Kleiman gegründet hatte. Ob sich auf den Bitcoin-Adressen, um die es ging, nun etwas tut, wird jetzt mit Spannung verfolgt werden.

Wright ist ein australischer Computerwissenschaftler, der inzwischen in Großbritannien lebt. 2016 hatte er mit der Behauptung für Furore gesorgt, der legendäre Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto zu sein. Gemeinsam mit seinem 2013 verstorbenen Geschäftspartner Dave Kleiman habe er die Kryptowährung erschaffen und das berühmte Whitepaper dazu verfasst. Als erste Bitcoinminer hätten sie das Vermögen geschürft, um das es vor Gericht ging und das weiterhin unangetastet ist. Kleimans Bruder hatte Wright vorgeworfen, sich dessen Bitcoin, Anteilsrechte am Unternehmensvermögen sowie sein geistiges Eigentum durch Betrug und gefälschte Verträge widerrechtlich angeeignet zu haben. Dem stimmte das Gericht nur in Teilen zu, Wright erklärte jetzt, er fühle sich voll rehabilitiert.

Wrights Behauptung war anfangs von vielen Seiten Glauben geschenkt worden, sogar den damaligen Bitcoin-Core-Chefentwickler konnte er zunächst überzeugen. Rasch waren die Zweifel aber immer größer geworden, die vermeintlichen Belege hatten sich als Taschenspielertricks wie nachdatierte Dokumente entpuppt. Beweisen könnte Wright die Behauptungen, indem er nachweist, dass er tatsächlich Zugriff auf das fragliche Bitcoinvermögen hat. Vor Gericht hatte er zugesichert, dass er das machen werde, sollte das Gericht zu seinen Gunsten entscheiden. Laut NBC hat er außerdem versprochen, "den Großteil" des gigantischen Vermögens spenden zu wollen. Dafür müsste er aber tatsächlich an das Kryptogeld kommen.

(mho)