US-Handelsbeauftragte zu Corona-Impfstoffen: Nicht die Aids-Tragödie wiederholen

Angesichts der Impfstoffknappheit deutete die US-Handelsbeauftragte an, dass die USA ihre Handelspolitik ändern wollen.

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137 Millionen Coronavirus-Infizierte zählte die WHO bisher weltweit, 2,9 Millionen Todesfälle.

(Bild: WHO)

Von
  • Monika Ermert

Die US-Beauftragte für Handelsfragen, Katherine Tai, kritisiert die Kluft zwischen der Versorgung von reichen und armen Ländern mit Impfstoff gegen das Coronavirus. Auf einer Sondersitzung der Welthandelsorganisation (WTO) zur Impfstoffknappheit erinnerte sie an die unnötigen Opfer nach dem ersten Ausbruch von Aids. Bis zu 10 Millionen Tote hätten damals vermieden werden können, hätten US-Konzerne wie Pfizer und GlaxoSmithKline die Herstellung und den Import von Generika nicht über Jahre blockiert. Die Tragödie dürfe sich nicht wiederholen.

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Tai signalisierte auf der Sitzung auch die Bereitschaft zu notwendigen "Änderungen und Reformen unserer Handelspolitik". Bisher lehnen die USA ebenso wie die EU ab, die Ansprüche auf Geistiges Eigentum wegen der Coronavirus-Pandemie auszusetzen, wie es Südafrika und 50 weitere Länder fordern. Nobelpreisträger und ehemalige Staatschefs wie Michail Gorbatschow und François Holland haben sich nun laut Financial Times insbesondere an die neue US-Regierung gewandt. Darin nannten sie den ungleichen Zugang zum Impfstoff "politisch und moralisch untragbar" und zugleich "ökonomischen Unsinn".

Weltweit wurden bisher mehr als 800 Millionen Impfdosen verabreicht, davon 83 Prozent in den reichen Ländern, 0,2 Prozent in den ärmsten, bilanzierte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der WTO-Sondersitzung. Die bisherige von den Firmen kontrollierte Produktionsausweitung mit individuellen Lizenzen könne "nicht einmal ansatzweise den riesigen Bedarf für die öffentliche Gesundheit und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfordernisse decken". Besser wäre es nach Ghebreyesus Meinung, wenn die Patentinhaber während der Pandemie auf Ansprüche verzichteten.

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Derweil haben einige Industrienationen vorgeschlagen, die WTO solle als Plattform zur verstärkten Lizenzierung durch die Impfhersteller dienen. Die neue WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala tendiert dazu, Handelshemmnisse für das reibungslose Funktionieren der Produktions- und Lieferketten in der Pandemie abzubauen. Auch schlug sie als konkrete Schritte vor den "verstärkten Technologie- und Know-How Transfer" sowie mehr Transparenz über die Verträge und die Preisgestaltung der Impfhersteller.

(anw)