US-Justizministerium: Schlag gegen Terrorfinanzierung mit Bitcoin

US-Strafverfolger melden die bislang größte Beschlagnahme von Konten für Kryptowährungen, mit denen drei Terrororganisationen unterstützt worden seien.

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(Bild: mk1one/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

Das US-Justizministerium hat am Donnerstag einen großen Erfolg im Kampf gegen die Terrorismusfinanzierung mithilfe von Kryptowährungen wie Bitcoin mitgeteilt. Im Rahmen einer koordinierten Operation stoppten US-Strafverfolgungsbehörden demnach drei Cyberkampagnen, die virtuelles Geld für Al-Qaida, den Islamischen Staat (IS) und die Hamas-Organisation Kassam-Brigaden eingeworben haben sollen.

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"Diese Aktionen stellen die bisher größte Beschlagnahme von Kryptogeld durch die Regierung im Zusammenhang mit Terrorismus dar", teilte das Departement of Justice mit. Die drei Finanzierungskampagnen hätten sich unter anderem auf Werbung über soziale Netzwerke gestützt, um Spenden per Bitcoin & Co. zu sammeln. Die Operation zeige, dass verschiedene terroristische Gruppen ihre Geldakquise in ganz ähnlicher Form ans digitale Zeitalter angepasst hätten.

Auf gerichtliche Anordnung beschlagnahmten US-Behörden laut der Mitteilung über 300 Konten für Kryptowährungen, vier Webseiten und vier Facebook-Seiten, die alle mit den kriminellen Unterfangen in Verbindung stünden und teils als Online-Auftritte wohltätiger Vereine getarnt worden seien. Den Strafverfolgern seien dabei Werte in Höhe von "Millionen von Dollar" in die Hände gefallen. Laut Medienberichten handelt es sich um rund zwei Millionen US-Dollar.

In einem der Verfahren beschuldigen die US-Behörden einen türkischen Staatsbürger, gefälschte Schutzausrüstung wie angeblich staatlich geprüfte N95-Filtermasken über die Domain FaceMaskCenter.com verkauft und damit Einnahmen für den IS generiert zu haben. Der Beklagte sei auch für Hacking-Operationen im Namen der Terrororganisation verantwortlich.

Das FBI, die Grenzpolizei ICE, die Abteilung für nationale Sicherheit des Justizministeriums und die Finanzbehörde IRS setzten der Meldung zufolge verdeckte Ermittler und andere Taktiken ein, um die Kampagnen der Verdächtigen zu unterwandern, ihre Aktivitäten zu verfolgen, ihre digitalen Währungsgeschäfte zu durchleuchten und ihre Konten abzuschalten. Strafverfolger übernahmen dabei sogar die Kassam-Webseite und betrieben sie 30 Tage lang selbst.

"Es sollte niemanden überraschen, dass unsere Feinde moderne Technologie, soziale Medienplattformen und Kryptowährungen nutzen, um ihre bösen und gewalttätigen Absichten in die Tat umzusetzen", erklärte US-Justizminister William Barr. Vor allem Bitcoin hat sich laut Strafverfolgern als Finanzmittel etwa im "Darknet" etabliert. Zahlungen mit der Kryptowährung und die beteiligten Transaktionspartner lassen sich prinzipiell mit etwas Aufwand nachvollziehen. Das Bitcoinsystem ist, anders als häufig behauptet, nicht anonym, sondern pseudonym. Die Blockchain mit allen Zahlungen ist einsehbar, Transaktionen können so verfolgt werden.

Laut aktueller EU-Geldwäschebestimmungen müssen Betreiber von Wechselstuben für virtuelle Währungen sowie die Anbieter elektronischer Geldbörsen ihre Kunden im Rahmen der "üblichen Sorgfaltspflichten" für Finanzhäuser kontrollieren. Dazu gehört es, die Identität der Nutzer sowie deren Wallet-Adressen in einer zentralen Datenbank zu speichern. Laut dem EU-Parlament sollen Anbieter von Krypto-Tokens zudem Analyseinstrumente nutzen, "um mögliche kriminelle Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bestimmungsort und der Empfängeradresse zu bewerten". (vbr)