US-Leakportal DDoSecrets: Hauptserver nach US-Bitte in Deutschland beschlagnahmt

Mit einem gigantischen Leak von internen Polizeidaten hat DDoSecrets für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun wurde ein Server in Deutschland beschlagnahmt.

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(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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Von
  • Martin Holland

Deutsche Strafverfolger haben den primären Server des US-amerikanischen Whistleblower- und Leak-Kollektivs Distributed Denial of Secrets (DDoSecrets) beschlagnahmt. Das behauptet die DDoSecrets-Gründerin Emma Best auf Twitter und hat Teile einer E-Mail ihres Hosting-Providers veröffentlicht, die das belegen sollen. Dort erklärt sie auch, dass es sich um den primären Download-Server handelt, der aber nicht für die Kontaktaufnahme zu Quellen genutzt worden sei. Inzwischen wurde von der zuständigen Staatsanwaltschaft eine "Sicherstellung" öffentlich gemacht.

DDoSecrets war 2018 gegründet worden und verbreitet verschiedene Datensätze aus ganz unterschiedlichen Quellen. Zuletzt hatten die Macher mit einer immensen Sammlung von US-Polizeidaten unter dem Codenamen #BlueLeaks für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Best ist überzeugt, dass es sich bei der rund 270 Gigabyte umfassenden Sammlung um den größten öffentlich gemachten Hack von US-Strafverfolgern handelt – und das parallel zu landesweiten Protesten in den USA gegen rassistische Polizeigewalt. Offenbar im Zusammenhang mit diesem Leak hatte Twitter den Account des Kollektivs gesperrt, obwohl der des ähnlich agierenden Portals Wikileaks aktiv bleibt.

Weltweit hat DDoSecrets auch bereits mit verschiedenen Medien bei der Veröffentlichung von Informationen kooperiert, in Deutschland zuletzt mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu Daten über deutsche Prominente und ihre Geschäfte in Steueroasen. Explizit zu Deutschland hält DDoSecrets aktuell zwei Datensätze vor, einer davon der berüchtigte "Adventskalender" eines Twitter-Nutzers namens @_0rbit. Die Sammlung von teilweise sehr persönlichen Daten ist Ergebnis eines massiven Onlineangriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente und "auf Anfrage erhältlich". Im Zusammenhang mit dem Hack wurde inzwischen gegen einen 22-Jährigen Anklage erhoben.

[Update 08.07.2020 – 14:50 Uhr] Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Zwickau die Beschlagnahmung des Servers bestätigt und ein US-Vorabsicherungsersuchen im Rahmen der internationalen Rechtshilfe als Begründung genannt. Der Server sei am 3. Juli "vorläufig" sichergestellt worden. Zum Inhalt des US-Verfahrens gibt es keine Informationen. Sobald das offizielle Rechtshilfeersuchen eingegangen sei, werde geprüft werden, ob "eine gerichtliche Beschlagnahme von Daten mit dem Zweck der Herausgabe als Beweismittel an die US-Behörden in Betracht kommt". Ob danach tatsächlich Material an die USA herausgegeben wird, entscheide dann das Bundesamt für Justiz.

(mho)