US-Militär: Eingreiftruppe soll mit Starship-Rakete überallhin gebracht werden

Das für die Logistik des US-Militärs zuständige Kommando prüft, wie das Starship von SpaceX helfen könnte. Die Szenarien klingen nach Science-Fiction.

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Das Starship in Texas

(Bild: SpaceX)

Von
  • Martin Holland

Das US-Militär will mit der Riesenrakete Starship von SpaceX Ausrüstung oder gar Truppen innerhalb von kürzester Zeit überall auf die Welt bringen können. Das geht aus einem internen Bericht hervor, den das US-Magazin The Intercept jetzt öffentlich gemacht hat. Darin werden erste Ergebnisse einer Kooperation mit dem Raumfahrtunternehmen aufgelistet, die bereits 2020 vorgestellt worden war. Damals hatte das Transportkommando der US-Streitkräfte (USTRANSCOM) fantasiert, dass man mit der Rakete die Nutzlast eines großen Transportflugzeugs innerhalb von weniger als einer Stunde an jeden Ort auf dem Globus bringen könnte. Diese Überlegungen sind weitergeführt und mehrere Szenarien ausgearbeitet worden. Aber um Schwierigkeiten geht es in dem Report.

Gleich zu Beginn wird in dem Bericht eingestanden, dass das Starship noch entwickelt wird. Auch deshalb ist noch gar nicht klar, ob die Rakete die Versprechen von SpaceX-Chef Elon Musk wird halten können. Trotzdem werden die Angaben von SpaceX zitiert, denn darauf basieren die gesamten Überlegungen. So heißt es, dass das Starship einmal 150 Tonnen in die erdnahe Umlaufbahn bringen können soll, das ist mehr als die einstige Mondrakete Saturn V – anders als die soll die aber wieder landen können. Die Nutzlast wäre fast doppelt so viel wie in ein Transportflugzeug des Typs Boeing C-17 passen (85 Tonnen). Wie viel ein Start des Starships kosten soll, ist in dem Dokument geschwärzt, für die Falcon Heavy von SpaceX werden 90 Millionen US-Dollar angegeben.

Beim US-Militär sieht man drei Szenarien, in denen das Starship in absehbarer Zukunft zum Einsatz kommen könnte. So könnte es eine logistische Alternative darstellen, um direkt an Einsatzorte im Pazifik Fracht zu liefern. Nach Europa und in den Pazifik könnten mit der Rakete demnach eine zusammenbaubare Basis für die US-Luftwaffe gebracht werden. Als "Unterstützung für eine US-Botschaft" könnte außerdem eine Einsatzgruppe direkt an einen Krisenherd in Afrika gebracht werden, heißt es noch. Allein die Fähigkeit dazu könnte Gegner davon abhalten, aggressive Aktionen gegen die USA zu unternehmen, meinen die Autoren und Autorinnen. Viele Einzelheiten zu diesem vorgeschlagenen Szenario seien aber nicht überprüft worden.

Dass solche Fähigkeiten aber realistisch und überhaupt sinnvoll sind, bezweifeln Experten gegenüber The Intercept. "Was genau sollen die Truppen denn machen", fragt William Hartung vom Quincy Institute. Wenn etwa ein Mob eine Botschaft angreifen würden, würd es ja immer noch eine Weile dauern, bis solch eine Rakete kommen könnte. Außerdem bleibe ja die Frage, wo genau eine solche Rakete überhaupt landen sollte, ergänzt Kaitlyn Johnson vom Center for Strategic and International Studies. Botschaften liegen ja bekanntlich in Innenstädten. Insgesamt klinge das alles sehr nach Science-Fiction. Beim USTRANSCOM sieht man das demnach anders und hält eine Umsetzung einzelner Teile in fünf bis zehn Jahren für möglich.

In dem Bericht wird aber auch eingestanden, dass es zusätzlich noch rechtliche Probleme gebe, immerhin bräuchte es eine Genehmigung für solche Flüge, zumindest wenn es durch den Luftraum eines anderen Staates gehe. Hartung weist auch noch darauf hin, dass gegnerische Staaten sich durch solche Überlegungen dazu verleitet fühlen könnten, an ähnlichem zu forschen: "Die Frage ist, was hält andere Staaten davon ab, das Gleiche zu tun und was würden die USA davon halten?" Ganz abgesehen davon, dass das Starship noch nicht ein einziges Mal die Erdatmosphäre verlassen hat. SpaceX plant den ersten Orbitalflug frühestens für Juli, dann wird es einen ersten Blick darauf geben, wie die Riesenrakete fliegt.

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(mho)