US-Musikmarkt: Die Schallplatte überholt die CD

Die Liebe zum Vinyl ist ungebrochen: Im US-Musikmarkt hat die Schallplatte erstmals seit langem wieder für mehr Umsätze gesorgt als die CD.

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(Bild: Morrowind/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Erstmals seit den 1980er Jahren wurde im US-Musikmarkt wieder mehr Umsatz mit Schallplatten als mit CDs gemacht, teilte der US-Branchenverband RIAA (Recording Industry Association of America) mit. So lag der Umsatz mit Vinyl-Tonträgern im ersten Halbjahr 2020 bei 232 Millionen US-Dollar, der von CDs betrug nur noch 129 Millionen US-Dollar. Im Vorjahresvergleich sackte der CD-Umsatz um fast die Hälfte ab (-47,6 Prozent), während Schallplatten um 3,6 Prozent zulegten. Rein mengenmäßig liegt die CD mit 10,2 Millionen verkauften Einheiten aber noch knapp vor 8,8 Millionen Schallplatten.

Wohl auch im Zuge der Corona-Pandemie stürzte der Verkauf physischer Tonträger in den USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent ab. Tonträger machen insgesamt nur noch sieben Prozent des Marktes aus, wovon rund 62 Prozent auf die Schallplatten entfallen. Das Streaming regiert, wie bereits der internationale Verband IFPI im Mai global für die Musikbranche feststellte und die RIAA mit ihren US-Zahlen jetzt noch einmal untermauert: 85 Prozent der Einnahmen kommen hier inzwischen von Spotify, Apple Music und Co.

Dabei legte das Streaminggeschäft legte um 12 Prozent zu und spülte 4,8 Milliarden US-Dollar in die Kassen. Der Löwenanteil entfiel auf Umsätze mit Streaming-Abos, die um 14 Prozent auf 3,8 Milliarden US-Dollar zulegten. Insgesamt seien es 72 Millionen zahlende Abonnenten, ein Anstieg um 24 Prozent zum Vorjahr.

Einen Dämpfer gab es für werbefinanzierte Streams, bedingt durch die Zurückhaltung werbetreibender Firmen in der Pandemiezeit. Der Geschäftszweig legte nur noch um drei Prozent zu und sorgte für 421 Millionen US-Dollar Umsatz. Weiterhin auf dem absteigenden Ast sind digitale Downloads, die um 22 Prozent absackten und nur noch 351 Millionen US-Dollar einbrachten. Der gesamte Branchenumsatz lag in den USA im ersten Halbjahr bei 5,7 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum um 5,6 Prozent.

Eine ähnliche Verschiebung bei den physischen Tonträgern zeichnet sich in Deutschland noch nicht ab: Trotz deutlicher Verluste hält die CD 20 Prozent des Marktes, während Vinyl-Alben auf 4,5 Prozent zulegen konnten, wie der deutsche Musikverband BVMI kürzlich in seiner Halbjahresbilanz 2020 mitteilte. Mit fast zwei Dritteln steuerte das Musikstreaming den Löwenanteil zum Gesamtumsatz von 783 Millionen Euro bei.

(axk)