US-Regierung setzt Gespräche über Kredit für Kodak nach Kritik aus

Einen Millionenkredit sollte Fotopionier Kodak von der US-Regierung für den Einstieg in die Pharmaproduktion kriegen. Doch nach Kritik liegt der Deal auf Eis.

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(Bild: Jeffrey Crockard/Shutterstock)

Von
  • Axel Kannenberg
  • mit Material der dpa

Ein geplanter 765 Millionen US-Dollar schwerer Kredit für Kodak, der die Aktie des Foto-Pioniers kurzzeitig hochschießen ließ, ist von der US-Regierung auf Eis gelegt worden. Die Investitionsagentur DFC teilte am Wochenende mit, dass erst alle Vorwürfe von Fehlverhalten rund um den Deal ausgeräumt werden müssten.

Die Kodak-Aktie kostete seit Jahren nur wenige Dollar – doch nach der Ankündigung Ende Juli, dass die Firma das Geld bekommen solle, um Arzneimittel-Bestandteile herzustellen, stieg der Kurs steil bis an die Marke von 60 Dollar. Als einige Tage nach Unterzeichnung der Absichtserklärung klar wurde, wie viele Konditionen Kodak für den Kredit erfüllen muss, ging die Aktie jedoch auf rasante Talfahrt und notierte zuletzt bei 15 Dollar.

Aufmerksamkeit erregten auch Ereignisse vor Bekanntgabe der Kredit-Pläne. So gab es bereits einen Tag davor einen deutlich regeren Handel mit Kodak-Aktien als gewohnt – und der Kurs stieg stark. Einige lokale Medien waren von Kodak vorab informiert worden und veröffentlichten nach Verwirrung über Sperrfristen zu früh Tweets und Artikel, die schnell wieder gelöscht wurden.

US-Senatorin Elizabeth Warren forderte eine Untersuchung der Geschäfte vor Bekanntgabe der Kreditpläne durch die Börsenaufsicht SEC. Nach Information des "Wall Street Journal" schaut sich die Behörde den Sachverhalt an. Kodak kündigte am Freitag eine eigene Untersuchung der Abläufe an.

US-Präsident Donald Trump präsentierte den Kredit für Kodak bei einer Pressekonferenz als einen "Durchbruch in den Bemühungen, Pharmaproduktion in die USA zurückzubringen". Trump griff für den Kredit auf den Defence Production Act aus den 50er Jahren zu, der dem Präsidenten Vollmachten gibt, die Herstellung wichtiger Güter zu organisieren.

Die Kontroverse um Kodak hat damit auch eine politische Komponente: Warren gehört zur Demokratischen Partei und war auch eine Anwärterin auf die Präsidentschaftskandidatur der Partei bei den Wahlen im November. Während zunächst der Eindruck entstand, dass der Deal stehe, ging aus der Absichtserklärung unter anderem hervor, dass Kodak das Geld mit seinen Werten absichern müsste und das Prüfverfahren für die Kreditvergabe noch läuft. Die DFC (International Development Finance Corporation) machte zunächst keine Angaben dazu, welche Vorwürfe genau ihre Entscheidung auslösten.

Gegründet worden war das Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts und hatte mit dem Verkauf simpler Kameras für den Alltagsgebrauch begonnen. Kodak hatte sich dann auch der Produktion der nötigen Zusatzmaterialien gewidmet und so chemisches Know-how angesammelt. Über die Jahrzehnte war ein Gigant der Branche entstanden, der aber trotz eines frühen Einstiegs ins Geschäft mit Digitalfotos schließlich davon überrollt wurde.

Kodak hatte die klassische Fotografie mit seinen Produkten entscheidend geprägt, kam aber nicht mit dem Wandel zu digitalen Bildern klar. Nach hohen Verlusten rutschte der Fotopionier 2012 in die Insolvenz. Im Zuge der Sanierung wurden große Geschäftsbereiche abgestoßen. Vom einstigen Kerngeschäft Fotografie blieb nicht viel übrig; Stattdessen setzte das Unternehmen auf Drucklösungen für Geschäftskunden. 2018 sorgte Kodak schon einmal für ein kurzfristiges Kursfeuerwerk mit der Ankündigung, ein eigenes Kryptogeld verbunden mit einer Bildlizenzverwaltung auf Blockchainbasis zu entwickeln.

(axk)