US-Sanktionen gegen den Kryptowährungsdienst Tornado Cash

Laut US-Finanzministerium soll Tornado Cash nordkoreanischen Hackern bei der Geldwäsche geholfen haben. Mixing-Dienste geraten stärker ins Visier der Behörden.

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(Bild: Stokkete/Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Knobloch

Die Vereinigten Staaten haben am Montag Sanktionen gegen den Kryptowährungsdienst Tornado Cash verhängt. Dem Mixing-Dienst wird vorgeworfen, unter anderem Hackern aus Nordkorea bei der Geldwäsche der Erlöse aus ihren cyberkriminellen Machenschaften zu helfen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2019 soll Tornado Cash gestohlene Kryptogelder im Wert von mehr als 7 Milliarden US-Dollar gewaschen haben. Das sagte ein hochrangiger Beamter des US-Finanzministeriums laut der Nachrichtenagentur Reuters. Mit dem Schritt vom Montag werden alle US-Vermögenswerte des Währungsdienstes eingefroren.

Nach Angaben der US-Regierung soll allein die Lazarus Group, eine bekannte, von der nordkoreanischen Regierung unterstützte Hackergruppe, mindestens 455 Millionen US-Dollar über Tornado Cash gewaschen haben. Die Hacker-Gruppe unterliegt bereits US-Sanktionen. Sie steckt laut US-Strafverfolgungsbehörden unter anderem hinter den international beachteten Hacks von Sony-Pictures und WannaCry. Das FBI hat mehrere mutmaßliche Mitglieder zur Fahndung ausgeschrieben. Den mutmaßlich ebenfalls von der Lazarus Group gesteuerten Diebstahl von fast einer Milliarde US-Dollar von Bangladeschs Zentralbank verhinderte nur ein Zufall. Allein im Jahr 2021 sollen nordkoreanische Hacker angeblich fast 400 Millionen US-Dollar in Kryptogeld erbeutet haben. Die USA und Südkorea behaupten seit Jahren, Nordkorea finanziere mit dem erbeuteten Geld unter anderem sein Raketenprogramm. Pjöngjang bestreitet diese Anschuldigungen.

Tornado Cash wiederum wird beschuldigt, Cyberkriminellen wie der Lazarus Group zu helfen, indem es Transaktionsdetails verbirgt und es versäumt, sinnvolle Schutzmaßnahmen gegen Geldwäsche einzuführen. Trotz früherer Aufforderungen an Tornado Cash, Änderungen vorzunehmen, gingen die kriminellen Aktivitäten weiter, so der von Reuters zitierte Beamte des US-Finanzministeriums. Daraufhin sei die Sanktionentscheidung getroffen worden.

Im Mai nahm das US-Finanzministerium breits den Kryptowährungsdienst Blender ins Visier und verhängte zum ersten Mal Sanktionen gegen einen solchen Mixing-Dienst. Dabei handelt es sich um ein Software-Tool, das Kryptowährungen aus Tausenden von Adressen zusammenführt und verschlüsselt, also Transaktionen "vermischt".

Bei großangelegten Krypto-Diebstählern spielen Mixing-Dienste wie Blender oder Tornado Cash schon länger eine Rolle. Tornado Cash wurde demnach benutzt, um etwa 100 Millionen US-Dollar aus einem Hack der Kryprowährungsfirma Harmony im Juni und der erst letzte Woche erbeuteten Kryptogelder beim Gruppenklau bei der Blockchain-Brücke Nomad zu waschen. Auch beim Hack der Cryptobörse Crypto.com erbeutete Kryptoassets wurden wohl über den Tornado Cash in liquide Mittel transferiert.

(akn)