USA: Alarmanlagen-Betreiber fordern Verlängerung des 3G-Netzbetriebs

AT&T soll sein UMTS-Netz weiterbetreiben, verlangen Alarmanlagenfirmen. Sonst drohten Ungemach und Tod. Schuld seien die Pandemie und der Chipmangel.

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Betonturm mit Antennen

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Am 22. 2. 2022 möchte der US-Netzbetreiber AT&T sein UMTS-Netz (3G) abschalten, um die Frequenzen für effizientere Funkverfahren nutzen zu können. Doch nun schlägt die Alarmanlagen-Branche der USA Alarm: Die Netzabschaltung werde "schädliche, sogar tödliche" Folgen haben. Daher solle die Regulierungsbehörde FCC den Weiterbetrieb für zehn Monate bis Ende 2022 vorschreiben.

Grund für die Aufregung ist, dass Millionen vernetzter Alarmanlagen in den USA über das 3G-Netz AT&Ts mit der jeweiligen Alarmzentrale verbunden sind. Wird das Netz abgeschaltet, laufen die Alarme womöglich ins Nichts und verschallen ungehört. Betroffen sind laut dem Branchenverband TMA (The Monitoring Association) Feueralarme, Einbruchmeldeanlagen und medizinische Notsysteme ebenso wie Kohlenmonoxid-Detektoren.

Zwar sei der Abschalttermin nicht neu, doch hätten die Umstände den rechtzeitigen Austausch der 3G-Modems verhindert. Schon im Februar 2019 hat AT&T die Abschaltung des 3G-Netzes drei Jahre später angekündigt. T-Mobile USA hat die Schließung ihres UMTS-Netzes von 1. Oktober 2021 auf April 2022 verschoben. Verizon hat das Ende seines 3G-CDMA-Netzes sogar schon zwei Mal hinausgezögert, von ursprünglich Ende 2019 auf nunmehr Ende 2022.

"Die Alarm-Branche hatte während der letzten 14 Monate große Schwierigkeiten beim Zutritt zu geschützten Objekten um 3G-Modems auszuwechseln, weil die meisten Verbraucher und Unternehmen Angst davor haben, während der COVID19-Pandemie Fremde einzulassen", schreibt die TMA in einer Petition an die FCC. Die Anlagen sind oft in schwer zugänglichen Nischen oder Unterböden versteckt, was längere Einsätze vor Ort erfordern kann.

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Weitere Ursachen für die Verzögerungen seien Hürden bei Anwerbung und Training neuer Mitarbeiter während der Pandemie, COVID19-Erkrankungen der Mitarbeiter oder naher Angehöriger, vorgeschriebene Quarantäne, Reisebeschränkungen sowie dringendere Pandemie-bezogene Aufgaben für das verbleibende Personal.

Zudem sorge der globale Mikrochip-Mangel für Lieferschwierigkeiten bei neueren Mobilfunk-Modems. Die GSM-Abschaltung habe AT&T nicht drei sondern vier Jahre im Voraus angekündigt. Zudem seien damals deutlich weniger Alarmanlagen betroffen gewesen als von der 3G-Abschaltung heute.

Eine Alarmanlagenfirma hat letztes Jahr ein Startup übernommen, das LTE-UMTS-Repeater anbietet. Sie verbinden sich mit einem LTE-Netz und strahlen lokal ein schwaches UMTS-Signal ab, um die Alarmanlage mit diesem Zwischenschritt online zu halten. Das Problem: Auch diese Firma dürfte die Nachfrage angesichts des Chipmangels nicht rechtzeitig befriedigen können.

In Deutschland deaktivieren Vodafone und die Deutsche Telekom ihre UMTS-Netze Ende Juni 2021, O2 folgt spätestens zum Jahresende. Für Österreich und die Schweiz sind heise online noch keine konkreten Termine bekannt.

(ds)