Uber: Subunternehmen überwacht Mitarbeiter per Video bis ins Schlafzimmer

Die Corona-Pandemie zwingt Mitarbeiter zur Heimarbeit. Wenn die Wohnung beengt ist, dringt die Videoüberwachung durch den Arbeitgeber tief in die Privatsphäre.

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Schlafzimmer

Auch hier kann ein Callcenter-Agent im Auftrag Ubers arbeiten - und videoüberwacht werden.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Frank Schräer

Mitarbeiterüberwachung sogar mit Kameras greift um sich. Arbeitgeber argumentieren das unter anderem mit dem Schutz der Daten der Firma und ihrer Kunden. Da die Coronavirus-Pandemie viele Angestellte zu Heimarbeit zwingt, folgt ihnen die Überwachung nach Hause. Der Callcenter-Konzern Teleperformance filmt seine Mitarbeiter im Auftrag des Fahrdienstvermittlers Uber dabei auch im Schlafzimmer, wenn der Agent dort arbeiten muss.

Kolumbianische Teleperformance-Mitarbeiter haben dem US-Sender NBC News berichtet, dass ihre Verträge dem Arbeitgeber den Einsatz von KI-unterstützter Videoüberwachung samt Aufnahme ihres Arbeitsbereichs erlauben. Der Vertrag verlange außerdem biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Fotos des Arbeitnehmers. Das betrifft sogar Mitarbeiter unter 18 Jahren.

Teleperformance ist ein französischer Anbieter von Dienstleistungen im Kundenservice und beschäftigt über 380.000 Mitarbeiter in 83 Ländern. Zu den Kunden gehören bekannte Unternehmen wie Apple, Amazon und Uber. Während Apple erklärte, dass sie die Videoüberwachung von Mitarbeitern bei Auftragnehmern verbieten und Amazon auch keine besondere Mitarbeiterüberwachung erfordere, hat Uber dies offenbar schon verlangt.

Nach Angaben Ubers wird nicht die gesamte Belegschaft in dieser Form überwacht. Die Callcenter-Mitarbeiter von Teleperformance gehören aber dazu. Denn diese haben Zugriff auf Kreditkartendaten und Fahrten der Kunden, wie ein Uber-Sprecher auf Anfrage von NBC News erklärte.

In manchen Ländern ist Heimarbeit in Coronavirus-Zeiten aufgrund kleiner Wohnungen allerdings schwierig. Viele Mitarbeiter besitzen kein heimisches Büro oder freies Zimmer, sodass sie ihre Arbeitsmittel unter Umständen im Schlafzimmer aufbauen müssen. Ein kolumbianischer Mitarbeiter erzählte NBC, dass der Vertrag eine konstante Überwachung erfordere – was in beengten Umgebungen die Familie mit einschließt.

Eine Teleperformance-Mitarbeiterin erklärte NBC, dass der einzige geeignete Raum für ihre Tätigkeit das Schlafzimmer sei. Nur dort sei es leise genug, um Kundenanrufe entgegenzunehmen. Allerdings arbeite sie nachts und während ihrer Schichten schläft dort der Gatte. Dies sei ein Eingriff in ihre Privatsphäre sowie die Rechte ihres Ehemanns und der ebenfalls dort wohnenden Schwiegermutter.

Die kolumbianischen Mitarbeiter wollen sich gegen die häusliche Videoüberwachung seitens Teleperformance organisieren. Rechtliche Gegenwehr ist eine Herausforderung. Viele Länder haben Gesetze gegen Überwachung im öffentlichen Raum, aber oft nicht für den Arbeitsbereich.

(fds)