Uber gibt Sparte für selbstfahrende Autos ab

Ubers Traum von eigener Technik für selbstfahrende Autos ist ausgeträumt. Uber muss bald profitabel werden.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 58 Beiträge

Testfahrzeuge der Uber Advanced Technologies Group in der Garage

(Bild: Uber)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Uber wirft im Rennen um die Entwicklung selbstfahrender Autos das Handtuch. Die Uber-Sparte ATG (Advanced Technologies Group) wird an das Startup Aurora abgegeben. Zusätzlich legt Uber noch 400 Millionen US-Dollar drauf. Im Gegenzug wird der Fahrtenvermittler 26 Prozent an Aurora halten und einen Sitz im Verwaltungsrat erhalten.

Vom vernetzten zum autonomen Auto

Das haben die beiden Unternehmen am Montag bekanntgegeben. Anstatt weiterhin die ATG-Verluste von mehr als einer Million US-Dollar täglich zu ertragen, geht Uber nun eine strategische Partnerschaft mit Aurora ein. Sofern dieses Unternehmen mehr Erfolg hat als Ubers ATG-Sparte, soll Aurora-Technik eines Tages für Uber-Beförderungen zum Einsatz kommen. Vorrang hat bei Aurora aber die Entwicklung selbstfahrender Lkw. Und auch die Uber-Partnerschaft ist nicht exklusiv, hat Aurora doch bereits andere Partner, darunter VW.

Uber ist wichtig, die eigenen, hohen Verluste einzudämmen. Er hat dutzende Büros geschlossen, tausenden Mitarbeitern gekündigt und den Betrieb in mehreren Ländern eingestellt. Uber Elevate, eine Abteilung die ab 2023 fliegende Taxis betreiben wollte, wird unbestätigten Meldungen an das Startup Joby Aviation abgegeben. Im Mail hat Uber die Vermietung von Fahrrädern und elektrischen Tretrollern an Lime abgegeben und gleichzeitig in Lime investiert.

Nach dem gleichen Muster wandert nun Ubers Abteilung für selbstfahrende Autos an Aurora. Diese Firma wurde 2017 von Chris Urmson gegründet, der einst Googles Projekt für selbstfahrende Autos geleitet hatte (heute Waymo). Mitgründer waren Sterling Anderson der zuvor Teslas "Autopilot"-Entwicklung geleitet hatte, und Drew Bagnell, Mitgründer von Uber-ATG.

Uber hat für den Traum von selbstfahrende Kfz hunderte Millionen Dollar ausgegeben. Es war keine glückliche Investition. Zunächst entpuppte sich Entwicklungschef Anthony Levandowski als Belastung. Levandowski hatte zuvor bei Google/Waymo an selbstfahrenden Kfz gearbeitet und dort umfangreiche Daten mitgehen lassen. Außerdem warb er unzulässiger Weise Waymo-Mitarbeiter ab. Das führte 2017 zu einem Streit mit Waymo, der Uber teuer zu stehen kam. Levandowski selbst ist für den Geheimnisdiebstahl bei Google mit einem milden Urteil davongekommen.

Lesen Sie auch

2018 töte ein Uber-Roboterauto bei einer Testfahrt die Fußgängerin Elaine Herzberg. Sie hatte ein Fahrrad über die Fahrbahn geschoben. Diese Kombination überforderte das selbstfahrende Auto. Erschreckende Fehler haben zu dem tragischen Tod geführt. Uber musste die Testfahrten unterbrechen und sah sich bald dazu gezwungen, die Entwicklung selbstfahrender Lkw einzustellen.

Von diesen Skandalen sollte sich Uber-ATG nie erholen. Die Folge war die Übergabe an Aurora. Der neue Eigentümer möchte den meisten ATG-Mitarbeitern einen Arbeitsplatz anbieten. Uber-CEO Dara Khosrowshahi wird sich noch etwas einfallen lassen müssen. Die Börsenphantasie mit chauffeurlosen und dadurch angeblich günstigeren Taxis hat sich eben als Phantasie entpuppt. Irgendwann wollen die Geldgeber Profit sehen, und der ist bislang nicht in Sicht. Die COVID-Pandemie hat zwar das Geschäft mit Essenszustellungen belebt, in Summe schrieb Uber jedoch erneut tiefrote Zahlen.

(ds)