Ubuntu 20.10 "Groovy Gorilla" betreibt Produktpflege und huldigt der Himbeere

Die neue Version der Linux-Distribution bringt ein auf Version 3.8 aktualisiertes Gnome mit und steht auch als offizielles Raspberry Pi-Image bereit.

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Der neue Desktop-Hintergrund zeigt einen (von manchen Nutzern als gruselig empfundenen) "Groovy" Gorilla.

(Bild: Screenshot)

Von
  • Tim Schürmann

Ubuntu 20.10 (Codename: "Groovy Gorilla") ist seit vergangener Nacht verfügbar. Canonical hat die darin verwendete Version der Desktopumgebung Gnome auf 3.38 angehoben. Außerdem gibt es maßgeschneiderte Images der Desktop- und der Server-Fassung von Ubuntu für den Raspberry Pi und das davon abgeleitete Compute Module 4 (CM4). Wie üblich wurden zudem die enthaltenen Softwarepakete aktualisiert.

Gegenüber der Vorversion bietet Gnome 3.38 unter anderem eine überarbeitete "Aktivitäten"-Ansicht, in der Anwender die Symbole per Drag-and-Drop umsortieren können. Die Bedienung des neu gestalteten Screenshot-Tools geht deutlich einfacher von der Hand, während die Einstellungen einen QR-Code präsentieren, über den sich schnell die Internetverbindung mit Mobilgeräten teilen lässt. Des Weiteren kann Gnome 3.38 unter einer Wayland-Sitzung mehrere angeschlossene Bildschirme mit ihren jeweils optimalen Bildwiederholfrequenzen ansprechen.

Die "Aktivitäten"-Ansicht besteht jetzt aus einer einzigen Seite.

(Bild: Screenshot)

Wie immer hat Canonical die Desktop-Umgebung an die eigenen Vorstellungen angepasst. Dazu zählt das weiterhin am linken Bildschirmrand "klebende" Dock. Ins Auge springt das neue Hintergrundbild, das einen Affen mit Sonnenbrille zeigt. Das teilweise in Nutzerkommentaren als "gruselig" bezeichnete Gesicht spielt auf den "Groovy Gorilla" und somit auf den Codenamen von Ubuntu 20.10 an.

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Eine spannende Neuerung sind die speziell auf Raspberry Pi und Compute Module 4 (CM4) abgestimmten Installations-Images. Sie starten allerdings nur auf Modellen mit mindestens 4 GByte Hauptspeicher. Beim Bootvorgang kommt nicht mehr der Bootloader U-Boot zum Einsatz, stattdessen startet Ubuntu nach dem gleichen Prinzip wie Raspbian. Langfristig möchte Canonical auch für den Raspberry Pi ein Ubuntu mit Long Term Support (LTS) anbieten.

Die Raspberry Pi-Images richten sich zum einen an Lernende und Lehrer, zum anderen sollen sie als Basis für Micro Clouds dienen. Als Einsatzbereich für solche Micro Clouds sieht Canonical primär Heimlabore und die Robotik. Beim Aufbau helfen auch im herkömmlichen Ubuntu Server der Container-Manager LXD 4.6 und das einfach zu installierende Kubernetes-Paket MicroK8s 1.19. Für größere Clouds steht OpenStack Victoria parat.

Apropos Cloud: Die von Canonical für die Cloud bereitgestellten Ubuntu-Images, die einen KVM- oder Cloud-spezifischen Kernel nutzen, booten ohne initiale Ramdisk (Initramfs). Diese Maßnahme soll die Startzeiten der Images verkürzen.

Im Hintergrund arbeitet der Linux-Kernel 5.8. Dieser umfasst unter anderem einen neuen Treiber für das Dateisystem exFAT, unterstützt USB 4, sorgt für bessere WLAN-Verbindungen und kennt die Grafikchips in Intel-Prozessoren der Ice Lake- und Tiger Lake-Reihe. Die seit Mitte Oktober erhältliche Kernel-Version 5.9 hat es nicht mehr in Ubuntu 20.10 geschafft.

Canonical hat die mitgelieferte Software aktualisiert. Mit an Bord sind unter anderem LibreOffice 7.0.2, Mozilla Firefox 81 und Thunderbird 78.3.2. Letztgenannter E-Mail-Client unterstützt jetzt von Haus aus OpenPGP-Verschlüsselung und benötigt somit nicht mehr die Enigmail-Erweiterung. Programmierer erhalten mit Ubuntu 20.10 unter anderem die Glibc 2.32, das OpenJDK 11, Rust 1.43, GCC 10, LLVM 11, Python 3.8.6, Ruby 2.7.0, PHP 7.4.9, Perl 5.30 und Go 1.13.

LibreOffice kommt in Version 7.0.2.

(Bild: Screenshot)

Um die Bluetooth-Kommunikation kümmert sich BlueZ 5.55, die Netzwerkverbindungen jongliert der NetworkManager 1.26.2. Die Firewall stützt sich neuerdings auf Nftables. Der hauseigene Installationsassistent Ubiquity erlaubt die Integration in ein Active Directory (AD) und somit ein bestehendes Windows-Netzwerk. Die Distribution unterstützt zudem jetzt besser 2-in-1-Geräte wie den Dell XPS 2-in-1 und den Lenovo Yoga. Auf einigen weiteren von Canonical zertifizierten Systemen funktioniert endlich die biometrische Identifikation.

Administratoren steht auf einem Ubuntu Server jetzt Samba 4.12 zur Verfügung, das Verschlüsselungen an GnuTLS delegiert. Diese Maßnahme soll unter anderem die SMB3-Verschlüsselung beschleunigen. Die Virtualisierungssoftware QEMU klettert auf die Version 5.0. Die Ubuntu-Entwickler heben ihre Unterstützung für Virtiofs hervor, das eine bessere Einbindung des Host-Dateisystems in die virtuelle Maschine bietet. Virtiofs kennt auch Libvirt in der jetzt verfügbaren Version 6.6.

Ubuntu 20.10 unterstützt erstmals Liburing. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus für asynchrone Ein- und Ausgaben des Linux-Kernels, den unter anderem Samba und Qemu nutzen. Ebenfalls neu im Angebot ist Telegraf. Das Tool sammelt Daten von Datenbanken, IoT-Geräten und anderen Systemen. Es ergänzt damit das Monitoring-System Prometheus sowie die Software Grafana, die angelieferte Daten grafisch aufbereitet.

Canonical unterstützt Ubuntu 20.10 laut Übersicht zum Ubuntu Release Cycle lediglich neun Monate lang. Unternehmen und andere Anwender, die ein stabiles System bevorzugen, sollten daher weiterhin zu Ubuntu 20.04 LTS greifen. Diese Version erhält Updates bis April 2025.

Die Installationsmedien von Ubuntu 20.10 finden Leser auf ubuntu.com. Bei installierten Ubuntu-Systemen werden die Updates fortlaufend angeboten und können über die Paketverwaltung eingespielt werden. Updates von vorherigen Ubuntu-Versionen sind möglich. Weitere Details zu Neuerungen und Co. nennen die Release-Notes zu Ubuntu 20.10. (ovw)