Ubuntu 21.10 in der Server-Praxis: Alle wichtigen neuen Features erklärt

Ubuntu 21.10 bringt einige Veränderungen für Server mit. Vor allem gibt es Neues bei OpenLDAP, PHP, KVM sowie dem Linux-HA-Stack mit Pacemaker und Corosync.

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(Bild: Canonical Ltd.)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz
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Mehrere Rituale haben sich in der vergangenen IT-Dekade mit einer schönen Regelmäßigkeit etabliert. Erst kürzlich erschien turnusgemäß die Version 24 der freien Cloud-Umgebung OpenStack, die Canonical-Mäzen Mark Shuttleworth einst zur Standard-Cloud in Ubuntu machte und dem Projekt somit mächtigen Auftrieb verlieh. Und weil OpenStack und Ubuntu noch immer sehr eng miteinander verzahnt sind, wissen erfahrene Systemverwalter: Wo eine neue OpenStack-Version erscheint, kann eine neue Ubuntu-Release nicht weit sein. Folgerichtig veröffentlichte Canonical Ubuntu 21.10 kürzlich plangemäß Mitte Oktober.

Auch wer die LTS-Version bevorzugt, sollte sich schon jetzt mit den Neuerungen des Servers beschäftigen: Denn die werden zum größten Teil auch in Ubuntu 22.04 zu finden sein, also der kommenden LTS-Version.

Die "control groups", kurz "CGroups", sind in Linux ein Kernel-Feature, mit dessen Hilfe sich die Nutzung von Ressourcen für eine Gruppe von Prozessen per zentraler Anweisung einschränken lässt. Sie gehen Hand in Hand mit den Namespaces, die verschiedene Prozessgruppen auf Linux-Systemen voneinander isolieren. Beide Funktionen sind für den Betrieb von Containern essenziell. Von den CGroups gibt es im Linux-Kernel bis heute allerdings zwei Versionen – und in Ubuntu 21.10 findet die von vielen Admins ersehnte Wachablöse statt: Die CGroups v2 sind ab sofort nämlich das Standard-Verfahren. Programme, die nur CGroups in der Version 1 verstehen, fliegen dann auf die Nase: Während die erste Implementierung nämlich auf der Systemebene noch an Threads hing, nutzt Version 2 Prozesse als Abgrenzungsmerkmal.

Das wirkt sich zum Beispiel darauf aus, wie der Kernel die implementierten CGroups in SysFS darstellt. Ruft ein Programm diese Informationen ab und findet die v2-Hierarchie vor, obwohl es nur die v1-Hierarchie interpretieren kann, entstehen Brösel. Wer auf verbreitete Software wie Docker oder Podman setzt, hat keinen Grund zur Sorge: Sie haben CGroups v2 meist bereits vor Monaten implementiert. Wer selbst geschriebene Programme einsetzt, sollte diese jedoch zeitnah auf den Betrieb mit CGroups v2 vorbereiten oder die Kompatibilitätseinstellungen des Kernels anpassen.

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Übrigens: Ubuntu 21.10 kommt insgesamt recht spät zur CGroups-v2-Party. Das der Distribution zugrunde liegende Debian GNU/Linux setzt seit der kürzlich erschienenen Version 11 ebenso auf CGroups v2 ab Werk – wie die meisten anderen Distributionen. Bei Canonical war der eingeschränkte v2-Support beim ohnehin in der Community nicht sonderlich beliebten Paketmanager Snap der Grund für den jetzt erst erfolgten Umstieg.