Ubuntu Core 20: Snaps für Embedded-Systeme und den Raspberry Pi

Canonical aktualisiert sein Ubuntu Core auf Version 20. Es lässt sich erstmals mit dem Pi einsetzen und soll dort vor allem als Snaps-Plattform dienen.

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(Bild: Canonical Ltd.)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz

Ubuntu aktualisiert seine Linux-Distribution für Embedded-Systeme, Ubuntu Core, auf Version 20. Sie basiert auf Ubuntu 20 und erfährt damit ein grundlegendes Update von der vorherigen Version 18. Neu an Bord ist die Unterstützung des Raspberry Pi sowie für Deployments mit Ubuntus Bare-Metal-Lifecycle-Management namens Metal as a Service (MaaS).

Grundsätzlich ist Ubuntu Core eine reduzierte Variante vom klassischen Ubuntu für den Einsatz in Embedded-Umgebungen. Der Kern des Systems entspricht dem des großen Bruders Ubuntu 20 – weitgehend zumindest, denn erste Unterschiede ergeben sich in der Art und Weise, wie Ubuntu grundsätzlich mit seinem Dateisystem umgeht. Anders als Ubuntu 20.04 und 20.10 setzt Core auf ein Dateisystem im Nur-Lesen-Modus, das sich ausschließlich per OverlayFS verändern lässt. Weil sich dabei auch OverlayFS-Snapshots nutzen lassen, lässt sich in Ubuntu Core mit mehreren Zuständen des Systems hantieren. Dabei kann es auch auf eine frühere Version schnell und unkompliziert zurückgestellt werden. Das erleichtert den Roll Back, falls die Konfiguration einer Instanz schiefläuft.

Für Anwender mit die wichtigste Neuerung ist der ab Werk gegebene Support des Raspberry Pi, und das sowohl für die auf ARMv7- als auch die auf ARM-v8 basierten Versionen des Rechners. Die Distribution tritt damit als direkter Konkurrent etwa zu Raspberry Pi OS – früher Raspbian – auf, unterscheidet sich in Art und Zielsetzung von diesem jedoch erheblich. Während Raspberry Pi OS ein universelles Linux für die Kleinstrechner sein will, geht es bei Ubuntu Core vorrangig um eine Plattform für den Betrieb verschiedener Snaps. Letzteres ist Canonicals Paketformat auf Basis von Containern. So lassen sich Anwendungen als einzelne Datei ausliefern und überall dort betreiben, wo die Laufzeitumgebung für Snap vorhanden ist – also auch Ubuntu Core. Auf Basis der Distribution offeriert Canonical bereits mehrere fertige Appliances, etwa OpenHAB oder Plex. In Form von Ubuntu Core 20 bringt der Anbieter damit die Basis für sein Embedded-Geschäft auf den aktuellen technischen Stand.

Wer Ubuntu Core auf einem System mit einem Trusted Platform Module (TPM) betreibt, kann ab der Version 20 mit dessen Hilfe die Festplatte verschlüsseln. Das klappt aktuell allerdings nur auf Intel-kompatiblen Rechnern. Unterstützung für die Funktion auf ARM-Systemen will der Hersteller später nachreichen.

Bereits jetzt hingegen funktioniert – auch auf ARM-Systemen – das Deployment und die automatische Konfiguration mit Metal as a Service (MaaS) und cloud-init. Eine MaaS-Instanz vorausgesetzt, lassen sich Embedded-Geräte über sie automatisert mit einem Betriebssystem wie Ubuntu Core versorgen und aus der Ferne steuern. MaaS ist Canonicals Werkzeug für umfassendes Lifecycle-Management physischer Systeme.

Allzu oft dürfte sich die Kombination aus MaaS und Ubuntu Core im Altag allerdings noch nicht finden. Wer Ubuntu Core ohne MaaS und händisch pflegen möchte, bekommt von Canonical ebenfalls Schützenhilfe. Denn Ubuntu Core 20 kommt auch mit einem neuen Recovery-Modus daher, der wahlweise eine Root-Shell für das Sichern von Daten startet oder eine Reinstallation des Systems anstößt. Obendrein lassen sich von Ubuntu Core 20 modifizierte Abbilder bauen, die individuell ausgewählte Snaps bereits an Bord haben – so ersparen sich Administratoren vorab einen Teil der Automation.

Alle Details zum neuen Release finden sich in der Dokumentation, die fertigen Images stehen auf ubuntu.com bereit.

(fo)