Ukraine: Atomkraftwerk Saporischschja vom Netz genommen

Im größten Atomkraftwerk Europas arbeitet nun nur noch Block 6 für den Eigenbedarf, nachdem wichtige Stromleitungen unterbrochen wurden.

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AKW Saporischschja

(Bild: SNRIU, Archiv)

Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine ist nun nicht mehr an das Stromnetz angeschlossen. Nachdem am Samstag bereits der vorletzte von insgesamt sechs Blöcken abgeschaltet worden war, wurde der verbliebene Block 6 heruntergefahren und deckt nur noch den Eigenbedarf des AKW, also für Kühlung und andere Sicherheitsfunktionen. Das hat der Betreiber Energoatom bekannt gegeben.

Die letzte Stromverbindung des AKW zum Landesnetz sei am Freitag durch ein Feuer beschädigt worden, das durch Beschuss entstanden sei, schreibt die deutsche Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), die sich auf Angaben von Energoatom bezieht. Dabei handele es sich um die Verbindung des Wärmekraftwerks mit einer Schaltanlage in der Nähe von Nikopol, eine 330-kV-Reserveleitung, über die das AKW noch mit dem Stromnetz verbunden gewesen sei.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA schreibt unter Berufung aus Angaben aus der Ukraine, eine Notstromleitung zwischen dem AKW und dem Wärmekraftwerk sei absichtlich getrennt worden, um ein Feuer zu löschen. Die Leitung selbst sei nicht beschädigt worden, sie werde wieder angeschlossen, sobald das Feuer gelöscht worden sei.

Diese Leitung war verblieben, nachdem die letzte 750-kV-Hochspannungsleitung zum Landesnetz am Samstag durch Beschuss beschädigt wurde, hatte Energoatom laut der GRS mitgeteilt. Block 5 wurde abgeschaltet, Block 6 hatte mit reduzierter Leistung weiterhin ins Landesnetz eingespeist und den Standort versorgt. Die ukrainischen Mitarbeiter des Werks haben laut IAEA mitgeteilt, sie planten die 750-kV-Leitung zu reparieren, die am Freitag ausgefallen ist. Das könne mehrere Tage dauern.

"Eine sichere externe Stromversorgung aus dem Netz und Backup-Stromversorgungssysteme sind für die Gewährleistung der nuklearen Sicherheit unerlässlich", betont die IAEA. Diese Anforderung sei eine der sieben unverzichtbaren Säulen der nuklearen Sicherhei.

Laut GRS gibt es noch zwei weitere Reserveleitungen mit Kapazitäten von 330 beziehungsweise 150 kV. Über diese könne aber kein Strom ins Landesnetz eingespeist, sondern nur für die Versorgung des KKW bereitgestellt werden. Alle drei Reserveleitungen sind über das Wärmekraftwerk Saporischschja mit dem Landesnetz der Ukraine verbunden.

Ein Team aus 14 Experten und Expertinnen der IAEA war vorige Woche am AKW Saporischschja angekommen und inspizierte es. Sechs Mitglieder des Teams waren in dem AKW verblieben, vier sind am Montag abgereist, zwei sind noch in Saporischschja. Die IAEA-Experten haben laut der Behörde unter anderem die physischen Schäden am AKW bewertet, die Funktionen der Systeme für nukleare Sicherheit und die Arbeitsbedingungen des Personals sowie die Notfallkapazitäten der Anlage bewertet. Dabei seien dringende Arbeiten durchgeführt worden.

Russland hat laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur TASS eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage in dem AKW beantragt. Dabei könne IAEA-Generalsekretär Rafael Mariano Grossi einen Bericht zur Lage in Saporischschja abgeben.

(anw)