Ukraine: Beschuss beschädigt Stromversorgung von Block 6 im AKW Saporischschja

Reaktor 6 des ukrainischen AKW Saporischschja war vorübergehend nicht extern mit Strom versorgt worden. Notstromdieselgeneratoren sprangen an.

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Block 6 des Atomkraftwerks Saporischschja in der Südukraine.

(Bild: Energoatom, Archiv)

Im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja hat Beschuss Stromkabel beschädigt, mit denen Reaktor 6 mit Strom versorgt wird. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wurde dieser Reaktor etwa eine dreiviertel Stunde mit Hilfe von Notstromdieselgeneratoren versorgt, um die Kühlung aufrechtzuerhalten.

AKW-Betreiber Energoatom berichtet, in der Nacht auf den gestrigen Mittwoch habe russisches Militär eine Schaltanlage am Block 6 beschädigt, in der Folge sei ein Transformator abgeschaltet worden, Notstromdiesel sei angesprungen. Nachdem Mitarbeiter des AKW einen Weg gefunden hätten, die externe Stromversorgung wiederherzustellen, seien die Generatoren in Standby versetzt worden.

Die fünf anderen Reaktoren des AKW seien nicht betroffen und erhielten weiterhin Strom über die Starkstromleitung, die vorige Woche repariert wurde, berichtet die IAEA, die seit Anfang September eigene Mitarbeiter in dem Atomkraftwerk präsent hat. Es werde daran gearbeitet, die beschädigten Kabel von Block 6 zu reparieren.

Alle sechs Reaktoren des seit Anfang März von Russland besetzten AKW befinden sich im Stillstand, sie benötigen aber immer noch Strom, um die Kühlung und andere wichtige Sicherheitsfunktionen aufrechtzuerhalten. Der Vorfall am Mittwoch sei einem Beschuss am Vortag gefolgt, bei dem ein Rohr beschädigt worden sei, das zu einem Kühlteich führt. Der Teich habe während der Reparatur vorübergehend außer Betrieb genommen werden müssen, teilte die IAEA mit.

Deren Generaldirektor Rafael Grossi erneuerte angesichts der jüngsten Vorfälle die Forderung, rund um das AKW Saporischschja eine demilitarisierte Zone einzurichten. Grossi hält sich zurzeit bei den Vereinten Nationen in New York auf, um darüber Gespräche mit "hochrangigen Vertretern" zu führen, wie die IAEA es formuliert.

Das Atomkraftwerk ist seit dem vergangenen Wochenende wieder über eine 750-kV-Hochspannungsleitung mit dem Landesnetz verbunden. Das AKW war vorübergehend über eine Reserveleitung, die über ein nahegelegenes Wärmekraftwerk verläuft, mit Strom versorgt worden. Diese Leitung ist momentan unterbrochen. Auch wurde berichtet, dass das Atomkraftwerk Südukraine, das etwa 350 km westlich des AKW Saporischschja liegt, beschossen wurde.

(anw)