Ukraine-Krieg: Digitale Hilfsmittel für Geflüchtete und Helfer

Vom Online-Unterricht für Kinder bis zur Unterstützung bei Behördengängen für deren Eltern – das Web bietet viele Angebote in ukrainischer Sprache.

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(Bild: Da Antipina/Shutterstock.com)

Von
  • Dorothee Wiegand

Der Webauftritt der WDR-Maus, die sich ja schon immer für die Sprachen der Welt interessierte, hat nun eine Seite mit ukrainischen Lach- und Sachgeschichten. Verlage bieten Bücher und Lernmaterial vorübergehend kostenlos an. Inzwischen gibt es online viel Unterstützung für Menschen aus der Ukraine und deutschsprachige Helfer. Unter ct.de/yh2a haben wir Links zu Downloads, Webseiten und Videos zusammengestellt. Sie finden dort vom Bildwörterbuch über den Erste-Hilfe-Wortschatz bis zum Rundum-Willkommenspaket sinnvolle Hilfen für die Kommunikation.

Ukrainische Schüler, die das Land verlassen haben, profitieren von vielfältigen Möglichkeiten zum Online-Unterricht. Aufgrund von Corona fand der Schulunterricht in der Ukraine seit 2020 zum Teil über das Fernsehen statt. Für die "Allukrainische Online-Schule", einem Großprojekt von Präsident Wolodymyr Selenskyj, strahlten ab April 2020 elf ukrainische Fernsehsender von Montag bis Freitag Unterrichtsendungen für Schüler aller Klassenstufen aus.

Die "Optima School" ist eine weitere ukrainische Fernschule. Die private Einrichtung arbeitet ähnlich wie in Deutschland die Fernuni Hagen und ist staatlich anerkannt. Den Unterricht erteilen ausgebildete Lehrkräfte, die Prüfungen führen zu anerkannten Abschlüssen. Im Moment sei die Optima School dabei, ihre Server ins Ausland zu verlegen und ihr Angebot für ukrainische Schüler kostenlos zur Verfügung zu stellen, berichtet der Bildungsexperte Dirk Zorn in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die meisten Schulbücher in der Ukraine liegen digital vor. Auf der Website des Instituts für Modernisierung der Bildungsinhalte (IMZO) finden sich PDFs der Lehrwerke aus dem ukrainischen Bildungsverlag Ranok für sämtliche Fächer – auch Deutsch – für die Klassen 1 bis 11. Die Site ist ausschließlich auf Ukrainisch verfügbar und daher für deutsche Besucher schwer nutzbar. Der deutsche Geest-Verlag hat auf seiner Website die Links zu den Deutsch-Lehrwerken für die Klassen 1 bis 11 mit deutscher Beschriftung veröffentlicht.

Das Web ist eine Fundgrube für Lernmaterial aller Art. Diese empfehlenswerte Sprachbroschüre gibt es auf einer privaten Site, die eigentlich Kreuzworträtslern helfen möchte.

Bei der individuellen Kommunikation, beispielsweise zwischen privaten Gastgebern und ihren ukrainischen Gästen, helfen Übersetzungs-Apps auf Smartphone oder Tablet. Das Angebot ist inzwischen groß. Unterschiede gibt es beim Funktionsumfang und insbesondere bei der Qualität der Übersetzungen. Mit kurzen, grammatisch einfachen Sätzen als Eingabe erreichen Sie das beste Resultat.

Ein Klassiker ist der Google Übersetzer, den es als App für Android und iOS sowie als Webanwendung gibt. Die App versteht sich auf 108 Sprachen. Für 71 davon, darunter auch für Ukrainisch, gibt es die Unterhalten-Funktion. Damit lassen sich mündliche Eingaben in die jeweils andere Sprache übertragen: Das Gesagte wird von der App erkannt, verschriftlicht und in die Zielsprache übersetzt. Es erscheint als geschriebener Satz auf dem Display, während die Sprachausgabe in der Zielsprache ertönt.

Der Funktionsumfang beim Microsoft Übersetzer ähnelt dem von Google: Getippte, gesprochene und von Schildern oder Schriftstücken fotografierte Eingaben lassen sich übersetzen. Die Microsoft-App hilft außerdem beim Chatten. DeepL aus Köln brachte 2017 eine Übersetzungs-App für iOS heraus, inzwischen gibt es die auch für Android. Die Übersetzungsqualität gilt als besonders gut, allerdings hat die App derzeit Ukrainisch noch nicht im Repertoire, sondern nur Russisch. SayHi, eine Amazon-Tochter, bietet schon länger eine App für iOS; inzwischen gibt es SayHi auch für Android. Die Übersetzung funktioniert bei dieser App so wie die Unterhaltungen bei Google.

Alle genannten Apps sind kostenlos ohne Werbeeinblendungen nutzbar, die Links in den App Store und bei Google Play finden Sie unter ct.de/yh2a. In den Stores gibt es viele weitere Angebote, für die man jedoch häufig ein Abo abschließen muss. Für iTranslate, dessen Bedienkonzept besonders überzeugt, zahlt man etwa 40 Euro pro Jahr. Die eine oder andere Sonderfunktion mag ein Abo dieser Art im Einzelfall rechtfertigen. Schauen Sie vor Kaufabschluss aber genau hin: Mitunter beherrschen die Apps nicht für alle grundsätzlich angebotenen Sprachen auch den vollen Funktionsumfang.

c't Ausgabe 4/2023

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(dwi)