Umfrage: Behörden und Kommunen haben Probleme, Homeoffice zu ermöglichen

Engpässe bei der IT-Beschaffung und Akten, die nur als Papier vorliegen: Deutsche Behörden tun sich laut einer Umfrage schwer mit Homeoffice.

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(Bild: PhotoSGH/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Auch wenn die Politik Unternehmen zu mehr Homeoffice auffordert – der Staat als Arbeitgeber hat dabei selbst erhebliche Probleme. So ergab eine Umfrage der Welt am Sonntag bei 16 Bundesbehörden und 14 großen Städten, dass oftmals nicht einmal jeder zweite Büroarbeiter in Heimarbeit tätig ist. Gefragt wurde dabei von vornherein nach Tätigkeiten, die auch für Homeoffice geeignet sind.

Schlusslicht bei der Umfrage der Zeitung ist demnach die Stadtverwaltung Kiel mit einer Quote von gerade einmal 17 Prozent der Innendienstmitarbeiter in Heimarbeit. Ebenfalls geringe Quoten erreichten die Verwaltungen von Erfurt mit 20,4 Prozent, Frankfurt am Main mit 28 Prozent, Rostock mit rund 30 Prozent und Leipzig mit 33 Prozent. In den Bundesbehörden sehe es etwas besser aus: Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeiteten rund 45 Prozent von Zuhause, in der Stasi-Unterlagen-Behörde 50 Prozent, beim Bundesverwaltungsgericht 53 Prozent.

Hemmschuh sei in fast allen Fällen die IT-Ausstattung: Man habe sich zu spät um Beschaffung von Laptops und Serverkapazitäten gekümmert, nun gebe es Lieferengpässe, wie es etwa aus Berlin, Bremen und Kiel geheißen habe. Mitunter fehlen wohl auch einfach die Mittel: Aus Erfurt hieß es, eine flächendeckende Ausstattung der Mitarbeiter sei "finanziell und personell nicht zu leisten", schreibt die Welt. Ein weiterer Grund seien Akten, die nur in Papierform in der Dienststelle vorlägen und entsprechend nur in der Behörde bearbeitet werden könnten. Teilweise sei dies auch aus rechtlichen Gründen erforderlich.

"Natürlich können wir jetzt in wenigen Tagen nicht nachholen, was jahrelang bei der Digitalisierung verschlafen wurde", kommentierte Arbeitsminister Hubertus Heil die Ergebnisse gegenüber der Welt am Sonntag. "Aber was machbar ist, muss jetzt gemacht werden. Die Arbeitsschutzregeln gelten für öffentliche Behörden und Wirtschaft gleich."

Etwas besser sieht es in den Bundesministerien aus, wie kürzlich eine Umfrage der dpa ergeben hat. Die Homeoffice-Quote liegt demnach zwischen 80 und 85 Prozent. Die Bundestagsverwaltung mit ihren rund 3000 Mitarbeitern sei dagegen noch nicht so weit. Etwa 1870 Angestellten sei es prinzipiell möglich, aus dem Homeoffice zu arbeiten, sagte ein Sprecher. Allerdings reiche das technische Equipment im Moment nur für rund 75 Prozent von ihnen.

Bereits Anfang Dezember hatte eine repräsentative Umfrage unter rund 600 Bürgermeistern und Digitalisierungsverantwortlichen, die der Digitalverband Bitkom und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) in Auftrag gaben, Defizite deutlich gemacht: Demnach war in jeder zweiten Kommune Homeoffice generell nicht möglich, in 20 Prozent der Kommunen nur für wenige Mitarbeiter. Fehlende technische Ausstattung und mangelnde finanzielle Mittel für Investitionen wurden unter anderem als Gründe angegeben.

(axk)