Umfrage: Behördenbesuch kostet Bürger im Schnitt zweieinhalb Stunden

Eine neue Umfrage des Verbands Bitkom zeigt, warum viele Menschen sich eine digitalere Verwaltung wünschen – und welche Angebote ihnen besonders wichtig sind.

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(Bild: Anton Watman/Shutterstock.com)

Von
  • Christian Wölbert

Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom wünscht sich eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland mehr digitale Angebote der Verwaltung. Gut vier von fünf Befragten wollen demnach Aufgaben wie Wohnsitz-Ummeldungen online erledigen. Neun von zehn meinen, dass Dokumente wie der Personalausweis einfach automatisch verlängert und zugesendet werden sollten.

Ein Grund dürfte der hohe Zeitaufwand für Behördenbesuche sein. Der Umfrage zufolge kostet der Gang zum Amt in Deutschland im Schnitt 148 Minuten, wovon 59 Minuten auf An- und Abreise enfallen, 64 Minuten auf das Warten und 25 Minuten auf die Bearbeitung des jeweiligen Anliegens. Nicht abgefragt wurde, wie lang die Menschen auf einen Termin warten müssen. In manchen Großstädten muss man sich zurzeit Monate im Voraus online anmelden.

"Es kann nicht sein, dass Menschen Urlaub nehmen müssen, nur um einen schlichten Verwaltungsvorgang anzustoßen", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder anlässlich der Vorstellung der Umfrage am Donnerstag. Nicht nur während der Corona-Krise seien solche Zustände "völlig anachronistisch".

Ausnahmslos alle Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommunen müssten digital angeboten werden, fordert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Rohleder lobte jedoch die Bemühungen der Verwaltung, aufgrund der Corona-Krise zusätzliche Leistungen online anzubieten. Viele Städte hätten im Rekordtempo Schriftformerfordernisse gestrichen und die Bürger von der Pflicht befreit, vor Ort zu erscheinen. "Das kommt in der Bevölkerung gut an." Nun müsse die Digitalisierung verstetigt werden.

Der Umfrage zufolge möchten sich viele Menschen über das Internet auch die lokale Politik stärker beeinflussen. Rund drei Viertel wünschen sich einen "Mängelmelder für Probleme im öffentlichen Raum". 45 Prozent würden sich online gerne an Planungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen, 39 Prozent würden gern online wählen.

Die Ergebnisse zeigen jedoch auch Skepsis gegenüber der Digitalisierung. So sagten 26 Prozent der Befragten explizit, sie wollten nicht in einer Stadt oder Gemeinde mit vielen digitalen Angeboten leben. Von diesen sagten wiederum 81 Prozent, sie fürchteten, zum gläsernen Bürger zu werden. 66 Prozent sorgen sich, dass digitale Angebote zwischenmenschliche Kontakte verringern. Insgesamt hat Bitkom Research für die Umfrage 1004 Personen telefonisch befragt.

Das 2017 in Kraft getretene Online-Zugangsgesetz (OZG) verpflichtet Bund und Länder, bis Ende 2022 knapp 600 Verwaltungsleistungen online anzubieten. Die Umsetzung läuft jedoch äußerst holprig.

(cwo)