Umweltschützer warnen vor Wasserstoff mittels Atomkraft

Der BUND appelliert an die Bundesregierung, im Rahmen ihrer EU-Ratspräsidentschaft zu verhindern, dass per Atomkraft erzeugter Wasserstoff gefördert wird.

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Für eine TWh werden 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser in einem Pumpspeicherkraftwerk mit 83 m Höhendifferenz benötigt (größter Würfel), dagegen 0,017 Millionen Kubikmeter Wasserstoff bei 50 bar (kleinster blauer Würfel). Erdgas (orange) braucht etwas weniger Platz.

(Bild: ZSW)

Von
  • Andreas Wilkens

Die Erzeugung von Wasserstoff könnte mit Billigung der Bundesregierung in der EU auch gefördert werden, wenn er mit Hilfe von Atomkraft erzeugt wird. Darauf deute nach Meinung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Strategie der Regierung in ihrer derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft hin. Damit drohe die grüne und nachhaltige Wasserstoffwirtschaft im Ansatz zu scheitern.

"Deutschland ist aus gutem Grund aus der Atomenergie ausgestiegen. Die Energiequelle ist nicht sicher und nachhaltig, sondern gefährlich, gesundheits- und umweltschädlich", sagte die stellvertretende BUND-Vorsitzende Verena Graichen. Deutschland müsse seinen zukünftigen Wasserstoffbedarf reduzieren, anstatt Atomkraft und Erdgas durch die Hintertür zu fördern.

Zu diesem Thema antwortete die Bundesregierung im Juli dieses Jahres auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, je nachdem wie künftige Zertifizierungssysteme der europäischen Wasserstoffstrategie aussehen, könne mit Atomstrom hergestellter Wasserstoff begrifflich als "low-carbon electricity-based" gelten. Was dies für die Förderung auf EU-Ebene bedeute, sei derzeit aber noch offen. Die Bundesregierung werde sich dafür einsetzen, dass Wasserstoff aus Atomstrom nicht gefördert wird. Damit steht sie im Gegensatz zu Frankreich, das für die Elektrolyse von Wasserstoff auch auf Atomkraft setzen will.

Die EU-Kommission hatte durch eine Sprecherin vor einer Woche im EU-Parlament betont, sie betrachte aus Atomkraft erzeugten Wasserstoff als CO2-arm. In der Wasserstoffstrategie der Kommission ist von Atomkraft nicht die Rede. Der BUND insistiert nun, dort sei aber bereits Wasserstoff, der vor allem aus Erdgas gewonnen wird. Dieser fossile, sogenannte blaue Wasserstoff sei jedoch insgesamt keine geeignete Energiequelle für ein klimaneutrales Energiesystem. Die Wasserstoffnutzung solle aber nicht dadurch diskreditiert werden, dass sie mit Erdgas und Atom auf die Energiequellen der Vergangenheit setze.

Über die Förderung der Wasserstofferzeugung wird derzeit im Ausschuss der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (AStV) des EU-Rats beraten. Er bereitet die Arbeiten des Rates der Europäischen Union vor. Für Mitte Dezember wird ein finaler Text erwartet.

(anw)