Umzug abgeschlossen: Die Eclipse Foundation ist jetzt offiziell europäisch

Der im Mai vergangenen Jahres angekündigte Wechsel der Corporate Governance der Stiftung von Nordamerika nach Brüssel ist abgeschlossen.

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  • Rainald Menge-Sonnentag

Die Eclipse Foundation hat wie angekündigt ihren legalen Hauptsitz nach Europa verlegt. Dazu hat sie die Eclipse Foundation AISBL (Association internationale sans but lucratif) gegründet, die auf Deutsch als eine Internationale Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht (IVoG) bezeichnet wird, eine in Belgien genutzte Rechtsform für Non-Profit-Organisationen. Nun hat die Stiftung alle Formalitäten für den Umzug abgeschlossen.

Der Geschäftsführer der Eclipse Foundation Mike Milinkovich beschreibt in einem Blogbeitrag den seit Mai 2020 geplanten Umzug als arbeitsintensiven Prozess. Auch sei mit der offiziellen Gründung der AISBL zwar der erste Schritt getan, aber damit warteten weitere Aufgaben auf die Mitglieder und denjenigen, die zu den Open-Source-Projekten beitragen.

Laut Milinkovich ist die Eclipse Foundation hinsichtlich Mitarbeitern, Projekten, Entwicklern und Mitgliedern die größte Open-Source-Stiftung in Europa. Insgesamt 170 Mitglieder und über 900 Beitragende stammen aus europäischen Staaten.

Europa ist traditionell eine starke Region für die Eclipse Foundation.

(Bild: Eclipse Foundation)

Zahlreiche große europäische und spezifisch deutsche Firmen zählen zu den Gründungsmitgliedern der Eclipse Foundation AISBL, darunter Bosch, Daimler TSS und SAP. Außerdem betrachte die Europäische Kommission nach Darlegung Milinkovichs Open-Source-Initiativen als strategisch wichtig für die digitale und industrielle Transformation.

Seit den Anfängen hat die Eclipse Foundation ihrem Sitz in Nordamerika trotz der vielen europäischen Mitglieder. Zum Zeitpunkt der Ankündigung des Umzugs war von 60 Prozent die Rede. Schleichend verlief der Wandel bei den Veranstaltungen für die Community: Die europäische EclipseCon überholte im Lauf der Jahre die ehemals große US-amerikanische Schwester. Letztere verschwand schließlich von der Bildfläche, während die EclipseCon weiterhin existiert.

Die europäische Gründung hat für die Eclipse Foundation den Vorteil, dass sie nicht unter dem direkten US-amerikanischen Einfluss steht. Damit ist sie auch außerhalb der Schusslinie des in den vergangenen Jahren eskalierten Handelskriegs zwischen den USA und China. Zu den Mitgliedern der Stiftung gehört unter anderem der im Fokus der Auseinandersetzung stehende chinesische Konzern Huawei. Durch den Schritt nach Europa sei langfristig das vielseitige Wachstum der Eclipse Foundation gesichert, der sich laut Milinkovich im vergangenen Jahr 75 neue Mitglieder angeschlossen haben.

Der Umzug der Corporate Governance der Stiftung nach Europa bringt einige organisatorische und juristische Änderungen mit sich. So wird die europäische juristische Entität nun die Kontrolle über die Namen, Warenzeichen und Marken übernehmen. Auch werden die Mitgliederbeiträge künftig in Euro abgerechnet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Eclipse Foundation sich aus den USA zurückzieht. Die Eclipse Foundation Inc. im US-Bundesstaat Delaware unter den dortigen juristischen Richtlinien bleibt bestehen. Der Umzug betrifft auch nicht die alltägliche Arbeit, die auf die kanadische und europäische Niederlassung verteilt verlaufen soll.

Für diejenigen, die an Eclipse-Projekten arbeiten, soll sich zunächst wenig ändern. In den FAQ zum Umzug heißt es dazu "Die kurze Fassung ist: Macht weiter wie bisher. Kurzfristig bleibt es bei Business as Usual für Commiter und Contributors von Eclipse-Projekten." Die Foundation hat jedoch im Rahmen des Umzugs Ressourcen für die Entwicklung mit GitLab in Europa aufgesetzt, und Verantwortliche dürfen ihre Projekte laut FAQ jederzeit gerne darauf migrieren.

Eclipse Foundation im Wandel

(Bild: Eclipse Foundation)

Die Eclipse Foundation wurde 2004 gegründet und hatte ihren Hauptsitz bisher im kanadischen Ottawa. Die Historie geht noch drei Jahre weiter zurück: 2001 startete IBM zusammen mit einem Konsortium von Softwareanbietern wie Red Hat, SuSE und Borland das Eclipse-IT-Projekt.

Die Stiftung, die sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen aufnimmt, entstand mit dem Ziel, eine anbieterunabhängige Gemeinschaft zu schaffen. Die Projekte stehen öffentlich unter der Eclipse Public License bereit

Zu den namhaften Projekten gehört als Urgestein die Eclipse IDE. In den letzten Jahren gab es starken Zuwachs aus dem Enterprise-Java-Umfeld. So steht der Java-EE-Nachfolger Jakarta EE unter dem Schirm der Stiftung, und Eclipse MicroProfile zielt vor allem auf die Entwicklung von Microservices. Vor Kurzem hat die OSGi Alliance ihre Arbeit an die Foundation übergeben. Daneben ist die Foundation traditionell im Bereich Internet of Things (IoT) stark aufgestellt.

Insgesamt existieren derzeit 18 Working Groups für die einzelnen Bereiche.

Weitere Details zum Umzug lassen sich dem Eclipse-Blog und den FAQ sowie einer Präsentation zur Eclipse Foundation AISBL im PDF-Format entnehmen. Daneben hat die Foundation ein White Paper zur digitalen Transformation in Europa durch globale Open-Source-Zusammenarbeit veröffentlicht.

(rme)