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Und bleib dort: Petition zielt auf Jeff Bezos' Weltraumflug

Am 20. Juli will Jeff Bezos ins All fliegen, für ein paar Minuten. Über 90.000 Unterzeichner fordern, dass Bezos länger dort bleibt. Für immer.

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Aufgesprühte Schrift: "Folgende Mitbürger sind zum Klassenkampf aufgerufen"

(Bild: TH.Korr CC BY 3.0)

Von
  • Gerald Himmelein

Die Petition auf change.org fackelt nicht lange: "Do not allow Jeff Bezos to return to Earth", fordert ein gewisser Ric G ("Lassen Sie Jeff Bezos nicht zur Erde zurückkehren.") Nach einem langsamen Start haben inzwischen über 90.000 Leute unterschrieben – gestern waren es noch 50.000.

Viraler Sozialneid in Reinkultur also. Anfang Juni hat Jeff Bezos angekündigt, am 20. Juli mit seiner eigenen Rakete ins All zu fliegen. Es wird überhaupt der erste bemannte Flug seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin werden. Einer der reichsten Menschen der Welt auf dem Weg ins All – das ist seitdem ein Dauerbrenner in diversen Sozialen Netzen.

Gerade mal elf Minuten soll der Flug dauern. Mit Bezos fliegt sein Bruder und "bester Freund" Mark, was irgendwie ein bisschen traurig klingt. Ein drittes Blue-Origin-Ticket ins All wurde jüngst für 28 Millionen Dollar versteigert; das Geld geht an eine gemeinnützige Stiftung. Der Bieter ist bislang unbekannt (Banksy?). Insgesamt bietet die Kapsel Platz für sechs Personen. Ein vierter Passagier ist wohl schon vorgemerkt.

So richtig als Flug ins All kann man das Ganze eigentlich kaum bezeichnen: Mit einem maximalen Erdabstand von wenig mehr als 100 Kilometern überquert die "RSS First Step Crew Capsule" gerade mal die Grenze zum Weltall. Die ISS etwa kreist 300 Kilometer höher.

Die Petition fordert niemanden direkt zum Handeln auf, um Jeff Bezos an der Rückkehr aus dem All zu hindern. Sie richtet sich diffus an "das Proletariat" und trägt die Beschreibung "Billionaire’s (sic) should not exist...on earth, or in space, but should they decide the latter they should stay there." ("Milliardäre sollte es nicht geben ... weder auf der Erde noch im All, aber sollten sie sich für Letzteres entscheiden, sollten sie dort bleiben."). Ric G ist kein Meister der Rechtschreibung. Doch es ist bei Weitem nicht die einzige bizarre Bezos-Petition auf change.org.

Die Petitionspage auf change.org

(Bild: Screenshot)

Zwei Wochen vor seinem Abflug tritt Bezos als CEO Amazons zurück. Sein Nachfolger wird Andy Jassy sein. Sofern Bezos – trotz Petition – aus den unendlichen Weiten zurückkehrt, bleibt er dem Unternehmen als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats erhalten.

Für Milliardäre im Weltall gibt es tatsächlich einen Präzedenzfall, wenn auch nur einen fiktiven: In der Carl-Sagan-Verfilmung Contact unter der Regie Robert Zemeckis' (1997) kreist John Hurt als krebskranker großindustrieller Millionär S. R. Hadden in einer Raumstation um die Erde.

Spoiler Alert:

Hadden überlebt es nicht.

(ds)