"Unfaire Praktiken": Facebook beschwert sich bei EU-Kommission über Apple

Apple nutze die Kontrolle über iOS, um eigene Dienste und Einnahmequellen zu bevorteilen – zuungunsten Dritter, moniert Facebook.

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(Bild: dpa, Dominic Lipinski/PA Wire/dpa)

Von
  • Leo Becker

Facebook macht nun auch in Europa gegen Apple mobil: Der iPhone-Konzern setze seine App-Store-Regeln und die Kontrolle des Zugangs zu iPhone und iPad dafür ein, "eigene Dienste und Einnahmequellen zu bevorzugen und das zum Nachteil Dritter", beklagt das soziale Netzwerk in einem Schreiben an die EU-Kommission. Man habe ebenso wie andere App-Anbieter Probleme durch Apples "Vorgaben und technische Kontrollmöglichkeiten" bekommen, unter anderem in den Bereichen In-App-Einkäufe, Spiele-Apps, Login-Dienste und Online-Werbung.

Facebook sieht sich dabei unmittelbar betroffen von Apples "unfairen Vertragsbedingungen" und "unfairen Praktiken": Der iPhone-Konzern habe die Facebook-Gaming-App nur mit beschnittener Funktionalität zugelassen, alle Spiele mussten entfernt werden, führt Facebook als Beispiel in der Eingabe an. Apple untersage zudem Cloud-Gaming-Dienste und mindere so den Anreiz bei Entwicklern, dafür neue Spiele zu schaffen. Apple stelle damit sicher, dass iOS-Nutzer Spiele und daran anschließende Dienstleistungen nur über Apple direkt beziehen statt von anderen Anbietern, so Facebook – das trage schließlich einen "signifikanten Teil" zu Apples Umsatz mit Diensten bei.

Man sei besonders besorgt darüber, dass man nur noch eingeschränkt Dienste anbieten könne, die mit Diensten eines Plattformbetreibers konkurrieren, schreibt Facebook weiter. Es gebe zunehmend strenge Vorgaben für Entwickler, die den Datenzugriff einschränken, das schade vor allem werbefinanzierten Online-Diensten. Es sei zudem unklar, ob der Plattformbetreiber sein eigenes Werbegeschäft davon ausnehme. Apple wird hier von Facebook zwar nicht explizit genannt, ist aber klar gemeint: Das soziale Netzwerk hat mehrfach vor Apples für iOS 14 geplantem Tracking-Opt-in gewarnt. Nach Widerstand aus der Werbebranche wurde die Einführung von Apple inzwischen auf 2021 aufgeschoben.

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Facebooks Eingabe bei der EU-Kommission erfolgte im Rahmen des Legislativpakets über digitale Dienste, das einen klareren Rechtsrahmen für Online-Dienste und damit auch App Stores in Europa schaffen soll. Davon unabhängig hat die EU-Kommission bereits eine Untersuchung von Apples App-Store-Vorgaben eingeleitet. Facebook-Manager haben Apple in den letzten Wochen teils scharf kritisiert, CEO Mark Zuckerberg warnte jüngst vor Apples "Würgegriff".

In den vergangenen Wochen haben immer mehr große Anbieter öffentlich Kritik an Apples Regeln geübt, von App-Store-Umsatzgrößen wie Tinder über die US-Verlagsbranche bis hin zum Fortnite-Macher Epic Games, der nun auch versucht, einen freieren Zugang zu iPhones zu erklagen. (lbe)