Universelle elektronische Identität: Bürger skeptisch, Unternehmen hoffnungsvoll

Eine kleine Umfrage des eco ergibt, dass Bürger zwar an der eID interessiert sind, aber Gefahren sehen. Unternehmen und Behörden sind zuversichtlicher.

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(Bild: HQuality/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Der elektronische Identitätsnachweis (eID) über den Personalausweis gilt bislang als Ladenhüter. Das Konzept einer einzigen universal nutzbaren digitalen Identität hat prinzipiell hierzulande aber zumindest ein paar Freunde: Rund 35 Prozent der 300 Bürger in Deutschland ab 16 Jahren, die sich für eine Umfrage des eco-Verbands der Internetwirtschaft und des Beratungshauses Techconsult befragen ließen, wünschen sich grundsätzlich eine solche zentrale eID-Lösung. Befragte Behörden und Firmen drängen allerdings mehr zur eID.

Bürgerinnen und Bürger hoffen laut der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung zu IT-Security und digitalen Identitäten, dem Wildwuchs beim Login in Accounts im Internet Einhalt zu gebieten und mit einer eID ein möglichst großes Spektrum an privaten und behördlichen Diensten zu bedienen. Das ist kaum verwunderlich: Ein Drittel der befragten Bürger verwaltet derzeit mehr als zehn verschiedene Benutzerkonten, um Internetdienste zu nutzen. Jeder Zehnte verfügt sogar über mehr als 20.

Knapp zwei Drittel haben bereits digitale Angebote von Banken und Versicherungen genutzt, über die Hälfte der Dienste auf Basis einer digitalen Identität im Bereich E-Commerce. Ein knappes Drittel hat ferner Mobilitätsdienste etwa für Bahntickets oder Ladestationen verwendet, wohingegen Behördendienstleistungen bislang nur von knapp 30 Prozent in Anspruch genommen werden.

Prinzipiell würden Bürger laut der Analyse in Zukunft in vielen Bereichen Dienste auf Basis digitaler Identitäten nutzen, sofern diese auch breit verfügbar wären. Gerade im Verwaltungssektor erhofft sich die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) von Behörden mehr Online-Services und bessere Benutzerfreundlichkeit (76 Prozent). 55 Prozent der Bürger würden E-Government-Dienste etwa verwenden, um ihre Behördengänge digital statt vor Ort durchzuführen. Genauso viele liebäugeln mit Mobilitätsdiensten. 42 Prozent können sich vorstellen, digitale Gesundheitsdienstleistungen auszuprobieren.

In die nicht-repräsentative Studie ließen die Macher auch 170 Unternehmen aus allen Branchen und Größenordnungen sowie 40 Vertreter verschiedener Behörden einbeziehen. Hier ist der Zuspruch für eine universelle eID noch deutlich größer: Zehn der befragten Ämter sowie 55 Prozent der Firmen drängen auf solche zentralen Identitäten.

Für Anbieter einer einzigen eID für möglichst viele Online-Dienste, wie sie etwa die EU-Kommission mit der EuID als Wallet-Lösung fürs Smartphone plant, gilt es aber noch einige Hürden zu überwinden. 46 Prozent der einbezogenen Bürger platzierten mangelnden Datenschutz auf ihrer Sorgenliste weit oben. Dahinter folgt das mangelnde Vertrauen gegenüber der Technologie und den dahinterliegenden Diensten (35 Prozent).

Unternehmen (33 Prozent) und Behörden (53 Prozent) nannten vor allem verschiedene rechtlichen Fragestellungen in Bezug auf digitale Identitäten als Herausforderung. Die IT-Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann bezeichnete das dahinterstehende Konzept der "selbstbestimmten Identitäten" (SSI) jüngst als gefährlich für die Gesellschaft. "Eine völlige Nachverfolgbarkeit unserer digitalen Aktivitäten und immer absolut korrekte und nachvollziehbare personenbezogene Daten mögen zwar für die Wirtschaft ziemlich attraktiv sein", schrieb sie. Die Bürger kämen mit einer flächendeckenden SSI-Nutzung aber "einer Überwachungsdystopie einen ganzen Schritt" näher: "Wir können keinesfalls überblicken, was mit unseren Daten passiert."

52 Prozent der befragten Unternehmen verwenden laut der Umfrage gegenüber Kunden bereits Technologien zur eindeutigen Identifikation. So lassen sich etwa SIM-Karten bei Telekommunikationsanbietern per Online-Ausweis aktivieren, Zahlungen im E-Commerce durchführen oder Depots bei Kreditinstituten per eID eröffnen. Für die eigenen Mitarbeiter werden sogar in 59 Prozent der Firmen Identifikationstechnologien eingesetzt. Künftig planen mindestens drei Viertel, solche Technologien zu verwenden – ein Plus von bis zu 30 Prozent.

73 Prozent der Teilnehmer aus der Wirtschaft sehen schon einen direkten Einfluss digitaler Identitäten auf ihren Geschäftserfolg. Jedes dritte befragte Unternehmen attestiert sicheren digitalen Identitäten eine "essenzielle Bedeutung" für künftige Online-Geschäftsmodelle.

Mehr als die Hälfte der einbezogenen Kommunen verfügt nach eigenen Angaben mittlerweile über Online-Dienste für Bürger und Unternehmen. Dabei handelt es sich etwa um digitale Verwaltungsservices mit dem Online-Ausweis, übers Internet durchführbare Fahrzeugzulassungen oder die papierlose Abgabe der Steuererklärung über das Elster-Portal.Knapp 28 Prozent der Gemeinden, die bisher noch keine digitalen Bürgerdienste anbieten, wollen zeitnah erste einschlägige Angebote einführen.

"Eine gut funktionierende Infrastruktur für digitale Identitäten ist ein zentraler Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor für den Digitalstandort Deutschland", kommentierte Norbert Pohlmann, eco-Vorstand für IT-Sicherheit, die Resultate. Um die Potenziale der Technik voll ausschöpfen zu können, müssten sich aber alle Interessensvertreter "an einem souveränen, sicheren und vertrauenswürdigen europäischen Ökosystem" dafür beteiligen.

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