Unix-Derivat GhostBSD: Neue Version 21.09.06 wechselt zurück zum rc-Initsystem

Mit der aktuellen Version 21.09.06 des auf FreeBSD basierenden Live-Systems wechseln die Entwickler von OpenRC zurück zum Standard-Init von FreeBSD.

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(Bild: ghostbsd.org)

Von
  • Michael Plura

Die Entwickler von GhostBSD haben Version 21.09.06 des freien Unix-Derivats freigegeben. Neben kleineren Bugfixes gibt es eine zentrale Änderung: die Rückkehr zum rc-Initsystem. Denn während FreeBSD (und OpenBSD) durchweg das klassische rc-Init verwendeten, hat GhostBSD eine Weile das moderne und beispielsweise auch von Gentoo, Alpine Linux und (optional) Devuan GNU/Linux eingesetzte OpenRC genutzt. OpenRC arbeitet abhängigkeitsbasiert, setzt aber auf dem klassischen SysVInit auf und kann auf Wunsch auch Dienste parallel starten.

OpenRC bringt neue Funktionen und startet das System schneller. Warum also, so fragt man sich auf den ersten Blick, haben sich im Rahmen einer Umfrage 68 Prozent der GhostBSD-Benutzer gegen OpenRC und für das klassische rc-Init ausgesprochen?

Zunächst einmal haben die Entwickler darauf hingewiesen, dass die OpenRC-Anpassungen bei den Diensten des Basissystems und der immerhin weit über 30.000 Anwendungen in der Ports-Sammlung zwar einfach, aber durch die Menge eben sehr zeitintensiv seien. Die Arbeitszeit könne besser in die eigentliche Funktion von GhostBSD investiert werden.

Hinzu kommt, dass die Vorteile von OpenRC den Aufwand für die Anpassungen nicht unbedingt rechtfertigen. Denn GhostBSD wie auch alle anderen BSDs sind auf Stabilität und Sicherheit fokussiert, so dass die Notwendigkeit regelmäßiger Neustarts entfällt. Somit spielt ein schnelles Init-System eine untergeordnetere Rolle als bei anderen Betriebssystemen. Und zuletzt vereinfacht die volle Kompatibilität zu normalen FreeBSD-Installationen die Administration.

Während manch anderes modernes Init-System die halbe Betriebsystem-Infrastruktur umkrempelt, betrifft die Rückkehr zu rc-Init nur zwei Dateien in /etc/rc.conf sowie die Datei /boot/loader.conf.

In GhostBSD 21.09.06 wurden viele weitere kleine Probleme behoben, darunter etwa einen lästigen Fehler im Network-Manager, der unter Umständen die Zuweisung einer IP-Adresse per DHCP verhinderte. Auch werden automatische Verbindungen zu ungesicherten Wifi-Netzwerken nun standardmäßig verhindert.

GhostBSD 21.09.06 ist als Image für USB-Sticks ab sofort frei und kostenlos über die Webseite herunterladbar. Gerade für Einsteiger birgt GhostBSD (wie übrigens auch NomadBSD, helloSystem und das mittlerweile eingestellte FuryBSD) gegenüber FreeBSD den Vorteil, dass dem Benutzer die freie Desktop-Installation als nicht gerade triviale Aufgabe abgenommen wird. Das von USB-Stick startbare Live-System wird mit einem schicken, funktionalen und einfach zu bedienenden Mate-Desktop ausgeliefert.

(ovw)