Unkontrollierte Raketenabstürze: Gefahr für Menschenleben größer als gedacht

Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten zehn Jahren ein Mensch von einer Weltraumrakete erschlagen wird, liegt bei bis zu 10 Prozent.

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(Bild: Triff/Shutterstock.com)

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine abstürzende Weltraumrakete oder -raketenstufe in den nächsten zehn Jahren mindestens einen Menschen tötet, beträgt sechs bis zehn Prozent. Das haben Forscher der kanadischen University of British Columbia ermittelt. Nur weil bisher nichts besonders Schwerwiegendes passiert sei, würden sich die Menschen keine Sorgen machen, meint Co-Autor Aaron Boley. Besonders groß ist die Gefahr der Analyse zufolge im Globalen Süden, obwohl die großen Raumfahrtunternehmen und -organisationen aus dem Globalen Norden kommen. Die sichere Entsorgung von Raketen und Raketenteilen müsste vorgeschrieben werden, fordern die Autoren. Das würde die Starts zwar verteuern, aber potenziell Leben retten.

Für ihre Arbeit hat die Forschungsgruppe zwei Datensätze ausgewertet. Zum einen haben sie auf Basis der Bahndaten für über 650 künstliche Satelliten, die sich der Erde auf eine Mindestdistanz von 600 Kilometern nähern, ermittelt, wie wahrscheinlich es ist, dass einer davon auf Menschen stürzt. Dabei handelt es sich vor allem um Raketenstufen, die nach dem Start um die Erde kreisen, bevor sie wieder auf die Erde stürzen. Kombiniert haben sie das Ergebnis mit einer Projektion von zu erwartenden Abstürzen auf Basis der Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre. Die so ermittelte Wahrscheinlichkeit dürfte auch deswegen eher zu niedrig als zu hoch ausfallen, meinen sie, da die Zahl der Raketenstarts in den vergangenen Jahren signifikant angestiegen ist.

Auch wenn das Risiko der Berechnung zufolge gering bleibt, hat es Fälle von Raketen gegeben, die auf bewohnte Gebiete gestürzt sind. 2020 waren Überreste einer chinesischen Rakete des Typs Langer Marsch 5B auf ein Dorf in der Elfenbeinküste gestürzt. Im vergangenen Jahr hatte dann eine weitere chinesische Rakete für Aufsehen gesorgt, da sie nach dem Start unkontrolliert abgestürzt war. Damals hatte es massive Kritik an China gegeben, weil dieses unkontrollierte Abstürzen bei der Entwicklung der Rakete eingeplant worden war und kein kontrollierter Absturz über unbewohntem Gebiet sichergestellt wurde. Das ist eigentlich weitgehend üblich. Das Forschungsteam um Michael Byers fordert kollektive internationale Anstrengungen, um sicherzustellen, dass sich alle daran halten.

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Mit besseren Modellen will das Forschungsteam in Zukunft noch genauer ermitteln, wie groß das Risiko ist. Aktuell würde in den Simulationen angenommen, dass alle Raketenstufen im Erdorbit gleich groß sind. Dabei gebe es welche der Größe einer Waschmaschine und Objekte mit einer Masse von 20 Tonnen. Außerdem gebe es noch sehr wenige Daten dazu, wie abstürzende Raketenteile in der Atmosphäre verglühen. Für die Gefahrenanalyse existierender Objekte im Orbit sei das wichtig. Techniken, um das Risiko bei künftigen Starts zu verringern, existiere jedenfalls bereits. Sie müssten nur durchgehend umgesetzt werden. Die Forschungsarbeit wurde im US-Wissenschaftsmagazin Nature Astronomy veröffentlicht.

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(mho)