Urkundenhandel im Darknet: Polizei hebt Fälscherwerkstatt aus

Unter dem Namen "FakeID-Dobby" sollen drei Verdächtige unter anderem gefälschte Rezepte und Ausweisdokumente im Darknet verkauft haben.

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So inserierte FakeID-Dobby im Darknet.

(Bild: Bundespolizei)

Von
  • Axel Kannenberg
  • mit Material der dpa

In Magdeburg haben Ermittler eine mutmaßliche Fälscherwerkstatt für Ausweise entdeckt. Am Mittwoch durchsuchten etwa 220 Beamte drei Wohnungen und die als Büro getarnte Werkstatt, wie die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle am Donnerstag mitteilte. Sie stellten Datenträger und Fälschungsutensilien wie Drucker, Druckplatten, Siegel, Chemikalien und Folienelemente sicher. Es handelte sich um eine Aktion der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, und der Bundespolizei.

Drei Beschuldigte im Alter von 23 bis 24 Jahren sollen seit Juni 2018 im Darknet auf Marktplätzen wie dem 2019 ausgehobenen Wallstreet Market und dem crimenetwork.co unter dem Pseudonym "FakeID-Dobby" gefälschte Dokumente angeboten haben. Zum Sortiment gehörten demnach Rezepte, vorläufige deutsche Personalausweise sowie Ausweisdokumente aus Österreich, Italien, Tschechien, Polen und Ungarn. Die drei Männer sollen damit einen Gewinn von rund 45.000 Euro erzielt haben. Es sei überwiegend in der Kryptowährung Bitcoin gezahlt worden.

Die beiden 24 Jahre alten Hauptbeschuldigten wurden nach Hessen gebracht, wo ihnen am Donnerstag die gegen sie erlassenen Haftbefehle des Amtsgerichts Gießen verkündet wurden. Ihnen wird den Angaben zufolge gemeinschaftliche, gewerbsmäßige Urkundenfälschung in 140 Fällen vorgeworfen. Der dritte Beschuldigte im Alter von 23 Jahren ist auf freiem Fuß. Allen drei nicht vorbestraften Beschuldigten droht laut Bundespolizei im Fall einer Verurteilung mehrjährige Freiheitsstrafen.

Den Verhaftungen waren seit 2019 laufende Ermittlungen vorausgegangen. Wie es gelang, die Identität der mutmaßlich übers Darknet operierenden Verdächtigen aufzudecken, führte die Polizei nicht aus. Polizeioberrätin Romy Töwe erklärte laut der Polizeimitteilung: „Der vermeintliche Identitätsschutz durch Anonymität wird durch die Handelnden ausgenutzt, um die Strafverfolgung zu erschweren. Die Behörden der Polizei und der Justiz steigerten in der Vergangenheit ihre digitalen Kompetenzen personell und technisch. In diesem Verfahren konnte gezeigt werden, dass sich diese Bemühungen auszahlen."

(axk)