VW-Markenchef: Halbleiter-Mangel bleibt "Top-Thema"

Aus modernen Fahrzeugen sind Elektronik-Chips nicht mehr wegzudenken. VW hält die aktuelle Lieferkrise noch längst nicht für beendet.

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(Bild: Connect world/Shutterstock.com)

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  • dpa

Die Engpässe in der Versorgung wichtiger Elektronik-Teile könnten die Autoindustrie nach Einschätzung von VW-Markenchef Ralf Brandstätter länger beschäftigen. "Ich denke, dass die Situation durchaus noch angespannt bleiben wird", sagte er der Deutschen-Presse-Agentur. Während der Hochphase der Corona-Krise in der Autobranche im vorigen Jahr hatten Hersteller von Halbleitern ihre Lieferungen auf andere Industrien verlagert. Zuletzt gab es nun auch noch Probleme bei Chip-Produzenten selbst.

"Der Schneesturm in Texas oder der Brand bei Renesas in Japan – das sind große Kapazitäten, die für eine bestimmte Zeit nicht produziert haben", so Brandstätter. "Diese Auswirkungen sind in den nächsten Monaten sicherlich noch zu spüren." Die Beschaffungs-Taskforce des VW-Konzerns befasse sich "rund um die Uhr mit nichts anderem", es sei "ein Top-Thema auch auf Vorstandsebene". Ab dem Sommer lasse sich wohl eine mögliche Entspannung absehen: "Wir gehen davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas ruhiger wird." In der Fertigung der neuen ID-Reihe fehlten aktuell keine Komponenten.

Wo Schichtausfälle nicht zu vermeiden seien, gehe es in der Regel um spezielle Halbleiter-Teile – "wie zuletzt in Emden, dann können Sie den Passat schlicht und ergreifend nicht bauen." Bei austauschbaren Teilen setze VW Prioritäten bei ertragsstarken Modellen. "Das wird im Konzern auch abgewogen, wie die Zuteilung erfolgt – sehr transparent, so dass jede Marke weiß, woran sie ist. Wir fahren auf Sicht, man darf auch nicht zu schnell die Nerven verlieren."

Eine Maßnahme gegen die Versorgungskrise sei es, den Austausch mit Lieferanten zu erhöhen. "Sich in der Lieferkette ein Stück weit zu bevorraten, sicherlich auch." Forderungen nach mehr deutscher Halbleiter-Produktion könne er verstehen. Brandstätter schränkte aber ein: "Ich denke, es ist eher eine Frage der Kapazität und nicht des Produktionsortes. Wir haben uns alle umgestellt auf digitales Arbeiten, Laptops beschafft, viele Schulen haben nachgerüstet mit Rechnern und Tablets. Da ist natürlich ein Riesenbedarf entstanden."

Chipmangel – warum gibt es nicht genug Nachschub und wie lange noch? – #heiseshow vom 21.01.2021

VW hatte jüngst seine Einsparziele auch beim Personal konkretisiert. So werden zum Beispiel Angebote für Vorruhestand oder Altersteilzeit ausgeweitet. Insgesamt sollen die Fixkosten bei der Kernmarke bis 2023 um 5 Prozent sinken – im Rahmen bereits bestehender Programme.

"Wir müssen drei Aufgaben parallel bewältigen und gestalten: die Corona-Krise, den größten Umbruch in der Automobilindustrie zu Elektroantrieben und Digitalisierung, und wir haben gemeinsam unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", sagte Brandstätter. "Dazu brauchen wir mehr Widerstandsfähigkeit, um robust unsere Zukunftsinvestitionen finanzieren zu können."

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Teil des nötigen Umbaus sei auch, "dass wir in der Verwaltung 4000 Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Effizienzgewinne abbauen, um gleichzeitig 2000 neue digitale Arbeitsplätze zu schaffen". Von außen solle bis auf weiteres möglichst wenig neues Personal geholt werden.

Auch im Technologiebereich sieht der Manager weiteres Sparpotenzial. Die Strategie standardisierter Basis-Baugruppen setzt VW bei E-Autos mit dem Elektro-Baukasten MEB fort. Bei älteren Modellen, die noch auf dem System MQB fußen, gebe es ebenfalls Synergien: "Den T-Cross gibt es ab diesem Jahr auch lokal gebaut in Indien auf Grundlage des MQB. Passat und Superb werden künftig von Skoda entwickelt und von Volkswagen in Bratislava gebaut. Die Plattform stellen wir bereit – so können wir gegenüber dem Stand heute die Entwicklungskosten um 30 Prozent reduzieren." Darüber hinaus werde die Vielfalt an einzelnen Motor-Getriebe-Varianten weiter verringert.

(bme)