Venus: Atmosphäre sorgt für unterschiedliche Tageslängen

Messungen der Tageslänge auf der Venus hatten bislang keine einheitlichen Werte ergeben. Schuld hat die dichte Atmosphäre, wurde nun deutlich.

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(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Von
  • Martin Holland

Die äußerst dichte Atmosphäre der Venus ist dafür verantwortlich, dass sich die Längen eines Tages auf dem Planeten um bis zu 20 Minuten voneinander unterscheiden. Das ist wohl eine der spannendsten Erkenntnisse aus den bislang genauesten Messungen zu verschiedenen Charakteristiken des zweiten Planeten im Sonnensystem, die ein Forschungsteam nun vorgestellt hat. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die extrem dichte Atmosphäre der Venus auf ihrem Weg um den Planeten kinetische Energie mit der Oberfläche austauscht und die Drehung des Planeten so etwas beschleunigt oder verlangsamt. Das passiere zwar auch auf der Erde, aber hier ergeben sich daraus nur Unterschiede im Bereich von Millisekunden.

Die Analyse wird nun im Fachmagazin Nature Astronomy vorgestellt. Für ihre Arbeit nutzte das Team um Jean-Luc Margot von der University of California, Los Angeles, zwei große Radioteleskope. Mit der 70 Meter großen Goldstone-Antenne in Kalifornien sandten sie zwischen 2006 und 2020 insgesamt 21 Mal Signale zur Venus, die diese reflektierte. Das Echo empfingen sie dann sowohl mit dem Goldstone-Teleskop als auch mit dem Observatorium Green Bank. Aus den Zeitunterschieden zwischen dem Empfang der Echos konnten sie unter anderem ermitteln, wie schnell sich der Planet dreht. Außerdem hätten sie die Neigung der Venus zehnmal genauer ermitteln können als zuvor.

Ein Tag auf der Venus dauert den Messungen zufolge im Durchschnitt 243,0226 Erdentage. Die Ergebnisse erklären auch, warum bislang bei Messungen voneinander abweichende Werte ermittelt wurden. Aus den genauen Messungen zur Drehung der Venus konnte das Team sogar errechnen, dass der Kern des zweiten Planeten einen Durchmesser von etwa 3500 Kilometer hat. Das ist vergleichbar zu dem der Erde. Noch nicht sagen können sie demnach aber, ob der Kern flüssig oder fest ist.

Die Forschung zeigt einmal mehr, wie wenig wir noch über den anderen Nachbarplaneten der Erde wissen. Die Venus steht seit Längerem im Schatten des Mars, der gegenwärtig von mehreren Sonden und sogar Rovern untersucht wird. Ihre Methode zur Vermessung der Venus wollen die Forschenden nun auf andere Himmelskörper im Sonnensystem ausweiten und zuerst die Jupitermonde Ganymed und Europa ins Visier nehmen. Bei beiden werden Ozeane unter der Oberfläche vermutet und mit den Radarmessungen könnten die bestätigt und ausgemessen werden, hoffen sie.

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(mho)