Venus nach ihrer Entstehung womöglich 900 Millionen Jahre lang lebensfreundlich

Heute ist es auf der Venus viel zu heiß für Leben, aber das war wohl nicht immer so. An ihrem Anfang gab es wohl genug Zeit für die Entstehung von Leben.

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Die Venus

(Bild: NASA)

Von
  • Martin Holland

Auch ohne Plattentektonik könnte es auf der frühen Venus für fast eine Milliarde Jahre kühl genug gewesen sein, um flüssiges Wasser auf der Oberfläche zu ermöglichen. Das hat eine Forschungsgruppe anhand von Modellen herausgefunden. Voraussetzung war demnach eine wesentlich schwächere Sonneneinstrahlung und eine viel geringere Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre des zweiten Planeten unseres Sonnensystems zu jener Zeit. Die Entstehung von einfachstem erdähnlichem Leben in dieser Epoche ist dem Forschungsleiter zufolge vorstellbar, es wäre aber wohl einer sehr frühen Stufe vernichtet worden, als es auf der Venus schließlich vergleichsweise rasch zu heiß wurde, sagte er Forbes.

Wie die Forschungsgruppe um Dennis Höning von der Freien Universität Amsterdam im Fachmagazin Journal of Geophysical Research: Planets erläutert, ist über die Frühgeschichte der Venus nicht viel bekannt. Vor allem sei unklar, ob es dort einmal Plattentektonik gegeben hat und damit einen sogenannten Carbonat-Silicat-Zyklus, der die Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Atmosphäre langfristig niedrig halten kann. Deswegen hätten sie die frühe Entwicklung der Venus vor vier Milliarden Jahren ohne Plattentektonik simuliert. Demnach hätte Verwitterung allein damals dafür sorgen können, dass die CO2-Konzentration niedrig genug bleibt, dass der Planet sich nicht zu stark aufheizt, um eventuell vorhandenes Wasser verdunsten zu lassen.

Über insgesamt rund 900 Millionen Jahre hätte sich CO2 demnach vorwiegend in der Planetenkruste angesammelt, ein zu starker Treibhauseffekt sei verhindert worden. Trotzdem hätte sich die atmosphärische Konzentration laut ihren Simulationen langsam erhöht und irgendwann sei einen Kipppunkt erreicht worden. Innerhalb von lediglich rund 100 Millionen Jahren sei dann die heute zu beobachtende immense Konzentration erreicht worden und der darauffolgende Treibhauseffekt habe die Venus so lebensfeindlich gemacht, wie wir sie kennen.

Mit der Simulation trägt das Team ein weiteres Puzzlestück zur Frage bei, ob es auf der Venus Leben geben könnte oder jemals gegeben hatte. Das Interesse daran war zuletzt wieder deutlich größer geworden, nachdem lange der Mars fast allein im Fokus der Forschung gestanden hatte. Große Aufmerksamkeit hatten vor einem Jahr Berichte erzeugt, denen zufolge in der Atmosphäre der Venus Spuren eines Moleküls gefunden worden waren, das auf biologische Prozesse schließen lässt. Daran gibt es inzwischen erhebliche Zweifel und der vermeintliche Fund ist wohl vom Tisch. Andere Forscher und Forscherinnen hatten sich dann der Frage gewidmet, ob Leben auf dem eigentlich äußerst lebensfeindlichen Planeten grundsätzlich doch möglich sein könnte.

(mho)