Verdoppelte Preise: Schwimmende LNG-Terminals sind weltweit Mangelware

Die rapide Umstellung auf Flüssigerdgas hat die Nachfrage nach schwimmenden Terminals in die Höhe getrieben. In Wilhelmshaven ist erneut die Umwelt ein Thema.

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Flüssigerdgas-Tanker und eine schwimmende Einheit zur Regasifizierung

Ein Flüssigerdgas-Tanker hat an einer FSRU festgemacht.

(Bild: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Von
  • Malte Kirchner
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Vor dem Krieg in der Ukraine war die Nachfrage niedrig, doch inzwischen sind weltweit kaum noch schwimmende Flüssigerdgas-Terminals zu bekommen. Das hat zur Folge, dass sich die Charterpreise für die Spezialschiffe inzwischen verdoppelt haben. Laut einem Medienbericht werden mittlerweile Preise von 200.000 US-Dollar pro Tag aufgerufen.

Pläne für Flüssigerdgasterminals in Deutschland gibt es nicht erst seit dem Ukrainekrieg. Schon seit Jahrzehnten interessieren sich Energiekonzerne für die Einfuhr von LNG. Doch Planungen wie in Wilhelmshaven, die bis in die 1970er-Jahre zurückreichen, wurden immer wieder zurückgestellt. Grund für den fehlenden Druck war vor allem die gute Verfügbarkeit günstiger Gasimporte aus Russland.

Seit der Gaskrise in Europa und den Lieferausfällen aus Russland geht plötzlich alles ganz schnell. Terminals, für die erst im Frühsommer Planungsverfahren eingeleitet wurde, sollen schon Ende des Jahres in Betrieb gehen. In immer mehr deutschen Häfen entstehen weitere Projekte. Kaum eines hat einen Zeithorizont von mehr als ein bis zwei Jahren bis zur Fertigstellung. Da seit dem mutmaßlichen Anschlag auf die Ostsee-Pipeline Nord Stream eine rasche Wiederaufnahme der Lieferungen über diesen Weg ausgeschlossen ist, haben sich die LNG-Terminals binnen kürzester Zeit vom politischen Druckmittel zur existenziellen Notwendigkeit entwickelt.

Ein wichtiger Hebel sind dabei die sogenannten Floating Storage and Regasification Units (FSRU). Die schwimmenden Terminals sollen übergangsweise eingesetzt werden. So müssen in einem ersten Schritt nur besonders befestigte Anleger und die nötige Rohrinfrastuktur mit Anschluss an das Gas-Fernnetz geschaffen werden. Während in den ersten Jahren das Flüssigerdgas auf diesen Spezialtankern verarbeitet wird, können in Ruhe und mit der nötigen Zeit ausgestattet an Land feste Anlagen gebaut werden.

Doch die Übergangszeit wird laut einem Bloomberg-Bericht immer teurer. Sowohl LNG-Lieferungen als auch die schwimmenden Einheiten für die Umwandlung werden knapp. In einem rigorosen Preiskampf unterliegen vor allem die Schwellenländer. Insgesamt sind nach Auskunft des LNG-Schiffsmaklers Per Christian Fett weltweit 48 FSRUs im Einsatz. Nur sechs seien nicht in langfristigen Verträgen gebunden.

Während die Schiffseigner vor der Krise froh waren, wenn ihre FSRU überhaupt gefragt war, können sie inzwischen vorher nie dagewesene Preise aufrufen. Konkurrenz drohe so schnell nicht, denn die Umrüstung eines bestehenden Tankers dauere rund drei Jahre. Neubauten der Spezialschiffe bräuchten sogar noch mehr Zeit, zumal die darauf spezialisierten Werften gut ausgelastet seien. Neben Deutschland haben auch weitere EU-Länder Pläne für LNG-Terminals und wollen auf die FSRUs zurückgreifen.

Rund um das Vorhaben in Wilhelmshaven gibt es derweil Diskussionen über das Einleiten von verchlortem Wasser aus der FSRU in die Nordsee. Diese sogenannte Antifouling-Maßnahme sei nötig, um zu verhindern, dass sich in den Leitungen der schwimmenden Anlage ein Biofilm bildet, teilte das Niedersächsische Umweltministerium mit. Kommunalpolitiker hatten mit Verweis auf ein wegen der Umweltfolgen abgebrochenes LNG-Vorhaben in Australien Kritik geübt. Umweltminister Olaf Lies (SPD) nennt die Bedingungen nicht vergleichbar. Es würden die hohen deutschen Umweltstandards angewandt.

Bereits im Zuge der beschleunigten Planungen hatte es Kritik von Umweltverbänden an dem LNG-Vorhaben gegeben. Ein Aspekt waren dabei auch die Folgen auf für die Meeresbewohner.

(mki)