Vereinte Nationen bekommen einen Tech-Gesandten

UN-Generalsekretär Guterres hat Digitalfragen zur Chefsache gemacht. Erstmals beruft er einen Tech-Gesandten, der sich um digitale Gräben kümmern soll.

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(Bild: Alexandros Michailidis / shutterstock.com)

Von
  • Monika Ermert

Fabrizio Hochschild Drummond wird erster „Tech Envoy“ der Vereinten Nationen (UN). UN-Generalsekretär António Guterres betraut den Karrierediplomaten damit vor allem mit der Umsetzung seines Fahrplans für digitale Kooperation. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Organisation eines bei den UN angesiedelten, multilateralen Beratungsgremiums zum Thema Künstliche Intelligenz.

Mit der Berufung des ersten Tech-Gesandten für die UN als Teil seines Digitalplans unterstreicht Guterres, welche Bedeutsamkeit der Digitalpolitik in Zukunft beimisst. Ein Anschluss an die digitale Welt bis 2030 für die rund 3,6 Milliarden Menschen, die noch nicht online sind, steht im Plan ganz oben.

Wenn man sich darum nicht kümmere, sorge man für die Zementierung der Gräben zwischen reichen und armen Ländern, schrieb Hochschild in einer ersten Reaktion auf seine Ernennung. „Wir riskieren, dass die konnektierte Welt der nicht konnektierten davonrennt“, so Hochschild, der seit 1988 für das UN-Menschenrechtshilfswerk und das Büro des Hochkommissars der Menschenrechte gearbeitet und mit Ende 20 als Field Officer Nahrungsmittellieferungen der UN ins besetze Sarajevo organisiert hat.

Fabrizio Hochschild Drummond

(Bild: United Nations Photo (unmultimedia.org))

Es ist vor allem die Erfahrung in der Menschenrechtspolitik, die der Sohn britisch-chilenischer Eltern in den neuen Job als Tech-Gesandter mitbringt. Er sei ein relativer Neuling in Technologie-Fragen, räumt er selbst ein. Zugleich unterstützte Hochschild als Guterres' Sonderbeauftragter für die 75-Jahr-Feierlichkeiten der UN 2021 eine Reform und Öffnung der UN. In einer gerade veröffentlichten Megastudie „We the peoples“ hatte man über 1,5 Millionen Menschen in 195 Ländern zu ihren Zukunftsängsten, -hoffnungen und ihren Forderungen an die UN befragt. Die UN müssten ihre starren Prozesse ändern, sagte Hochschild dazu in einer Pressekonferenz.

Den Leuten zuzuhören, verspricht er auch als Tech Envoy. Er werde mit Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen, schrieb er gestern. Unter anderem wird er ein neues Multi-Stakeholder-Gremium zu digitaler Inklusion unter dem Dach der UN initiieren. Mit dem geplanten UN KI-Beirat schielt die UN wohl auch auf die Möglichkeit, international Normen zu setzen. Der Appetit dafür ist groß, wie eine unter deutscher Präsidentschaft des Europarats in Straßburg abgehaltene Konferenz zur internationalen KI-Regulierungin der vergangenen Woche demonstrierte.

Die Chancen angesichts der Spannungen zwischen den großen Blöcken, die zuletzt zur Etablierung von mehreren parallel laufenden Prozessen im Bereich Cybersicherheit und Cyberkriminalität bei den UN führten, sehen dagegen nicht so rosig aus. Zivilgesellschaft und Unternehmen könnten gute Verbündete für die UN-Beamten sein. Allerdings beklagten verschiedene Organisationen im vergangenen Jahr die Art und Weise, wie Guterres seinen Tech Envoy rekrutiert hatte: nicht eben transparent, mahnte etwa AccessNow. Auf dem Weg zu „We the digital peoples“ steht der Organisation also noch viel (Überzeugungs-)Arbeit bevor.

(tiw)