Verletzung "islamischer Werte": Sechs Golfstaaten drohen Netflix mit Strafe

In einer Animations-Serie von Netflix küssen sich gleichgeschlechtliche Charaktere. Einige Golfstaaten sehen darin einen schädlichen Einfluss auf Kinder.

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Poznan,Poland,-,June,21.2021:,Tv,Television,Netflix,Logo,On

(Bild: Shutterstock.com/MAXSHOT.PL)

Von
  • Oliver Bünte

Eine Gruppe von sechs muslimisch geprägten Golfstaaten haben Netflix damit gedroht, rechtliche Schritte zu unternehmen, sollte der Streaming-Dienst daran festhalten, anstößige Inhalte zu zeigen, die den Werten des Islam und der Gesellschaft widersprechen. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung des sechsköpfigen Gulf Cooperation Councils (GCC) hervor, dem die Staaten Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate angehören.

Um welche Werte es sich dabei genau handelt, lässt die Erklärung offen. Netflix sei jedoch darüber informiert und aufgefordert worden, die betroffenen Inhalte zu entfernen. Nach Angaben des britischen Guardian, der sich auf einen Beitrag des saudischen Nachrichtensenders Al Ekhbariya mit Sitz in Riad beruft, soll es sich dabei um Filme und Serien für Kinder gehen, in denen Homosexualität gezeigt und damit von Netflix gefördert werde. Als Beleg dafür zeigte der Sender teils unkenntlich gemachte Ausschnitte der US-Animationsserie "Jurassic World Camp Cretaceous" (deutsch: "Jurassic World: Neue Abenteuer"), in denen sich zwei weibliche Teenager-Charaktere küssen.

Bereits in der Vergangenheit gab es Konflikte zwischen den Golfstaaten und US-amerikanischen Filmverleihern aufgrund der Darstellung von sexuellen Minderheiten in Filmen, schreibt der Guardian. So hatten etwa die Vereinigten Arabischen Emirate im Juni den Disney-Animationsfilm "Lightyear" verboten, weil in ihm ein lesbischer Kuss gezeigt wird. Saudi-Arabien bemängelte den Marvel-Film "Doctor Strange in the Multiverse of Madness", der "LGBTQ-Anspielungen" enthalte, die entfernt werden sollte. Disney weigerte sich und der Film wurde nicht gezeigt.

Saudi-Arabien gilt ohnehin als Staat, der rigoros gegen die LGBTQ-Community vorgeht. So habe es nach Angaben des Guardian im Juni eine Razzia gegen Homosexualität in dem Land gegeben, bei der Kleidung und Spielzeug in Regenbogenfarben in Geschäften von Riad beschlagnahmt wurden. In Saudi-Arabien steht auf Homosexualität die Todesstrafe.

Netflix hat auf die Forderung des GCC bisher nicht reagiert.

(olb)